Tiefkühlkost während des Nationalsozialismus

Tiefkühlkost wurde in Deutschland während der NS-Zeit eingeführt. Obwohl die damaligen Produktionsmengen erst Anfang der 1960er Jahre wieder überschritten wurden, wird diese „neue“ und höchst erfolgreiche Innovation dennoch gemeinhin mit dem „Wirtschaftswunder“ in beiden deutschen Staaten verbunden. Die Konsumgeschichte folgt damit politischen Legitimationsinteressen, die Kontinuitäten gering gewichten, ja ausblenden. Die „Massenkonsumgesellschaft“ habe sich eben erst mit dem „Wiederaufbau“ etabliert (vgl. etwa Michael Wildt, Am Beginn der ‚Konsumgesellschaft‘. Mangelerfahrung, Lebenshaltung, Wohlstandshoffnung in Westdeutschland in den fünfziger Jahren, Hamburg 1994; Arne Andersen, Der Traum vom guten Leben. Alltags- und Konsumgeschichte vom Wirtschaftswunder bis heute, Frankfurt/M. und New York 1997). Dieses Zerrbild führt dazu, dass der Volkswagen zum Symbol westdeutscher Prosperität mutieren konnte und „Feinfrost“ zum Kennzeichen der technisch fortgeschrittenen DDR. Selbst neuere Arbeiten blenden die enge Verzahnung der nationalsozialistischen und der nachkriegsdeutschen Kühl- und Gefriertechnik konsequent aus (Karl Christian Führer, Das Fleisch der Republik, Berlin und Boston 2022, 96).

Einer der Gründe für diese kaum angemessenen Zuschreibungen liegt in der dualen Struktur der Tiefkühlkost. Während des Nationalsozialismus seien zwar die technischen Grundlagen für eine Gefrierindustrie gelegt, die neuen „Gefrierkonserven“ aber primär an die Wehrmacht geliefert worden. Tiefkühlkost wurde demnach nicht vorrangig für die Zivilbevölkerung produziert, auch wenn deren Versorgung durchaus mitbedacht worden sei (Ulrike Thoms, The Introduction of Frozen Foods in West Germany and Its Integration into the Daily Diet, in: Kostas Gavroglu (Hg.), History of Artificial Cold, Scientific, Technological and Cultural Issues, Dordrecht et al. 2014, 201-229, hier 202). Die fest etablierte Gefrierindustrie sei nach Kriegsende zusammengebrochen, der Ende der 1950er Jahre einsetzende Aufschwung daher in der Tat etwas völlig Neues gewesen sei. Erst die in Ost und West gleichermaßen erfolgte Selbstbedienungsrevolution habe dieses Marktsegment wirklich ermöglicht, die mit Gefrierkühlschränken verbundene Verlängerung der Kühlkette bis in die Haushalte habe sie dann zu neuen Höhen geführt.

All das unterschätzt, wie eng die gern beschworene Nachkriegsprosperität mit den Innovationen und mentalen Erwartungshaltungen der nationalsozialistischen Zeit verzahnt war. Bundesrepublik und DDR setzten in den 1950er und 1960er Jahren vielfach das um, was zuvor von nationalsozialistischen Funktionseliten als Teil einer nationalsozialistischen Konsumgesellschaft gedacht, propagiert und auch umgesetzt wurde. Um diese These zu unterfüttern, ist die Einführung der Tiefkühlkost während der NS-Zeit genauer unter die Lupe zu nehmen. In einer ersten Analyse habe ich dies vor allem unter wissenshistorischen Gesichtspunkten getan, also das Innovationssystem und seine Implementierung untersucht (Uwe Spiekermann, Künstliche Kost. Ernährung in Deutschland, 1840 bis heute, Göttingen 2019, 476-487). Regime kollabierten, Fachleute setzten ihre Arbeit fort. Nachfolgend werde ich den Blick weit stärker auf die zivile Versorgung während des Zweiten Weltkrieges legen. Dies ist möglich, da die seither erfolgte Digitalisierung zahlreicher Tageszeitungen und illustrierter Zeitschriften einen breiteren Blick aus der Perspektive des Alltags ermöglicht. Gewiss, diese Quellen sind propagandistisch eingefärbt, präsentieren staatlich gewünschte und tolerierte Informationen. Doch sie erlauben einerseits einen präziseren Blick auf die Alltagspräsenz der neuen tiefgekühlten Waren, geben anderseits auch eine Vorstellung von den mit der Tiefkühlkost verbundenen Verheißungen. Sie war Abglanz einer breiteren nationalsozialistischen Konsumgesellschaft nach dem siegreichen Krieg, dessen erste Konturen aber bereits während dieser vermeintlichen Kampf- und Bewährungszeit deutlich wurden.

Die Reintegration der nationalsozialistischen Zeit in die Kontinuitäten der deutschen Konsumgeschichte gründet zugleich auf den bisher kaum beachteten alliierten Untersuchungen der deutschen Konsumgüterindustrie 1945. Das Resultat zahlreicher Gespräche mit nationalsozialistischen Fachleuten und Besuchen in führenden Firmen hieß es darin: Die deutsche Gefrierindustrie „played a definite role in the feeding of both the Wehrmacht and the German civilian population during the recent war. Although information received from various sources indicates a difference of opinion as to the best actual importance of frozen foods, the best available estimate on 1944 production (40 to 45 Million Kilos) would suggest that substantial amounts of frozen foods were consumed by at least certain elements of the German Army and the civilian population“ (C.J. Mangan et al., German Frozen Foods, in: G.T. Carlin, A Survey of German Wartime Food Processing, Packaging and Allocation, T. 1, Frankfurt/Main 1945 (BIOS Misc. Report 19) (Ms.), 44-70, hier 45). Die Wehrmacht habe vorrangig Fisch geliefert bekommen, die Zivilbevölkerung dagegen Obst und Gemüse. Letzte werden daher auch im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen.

Etablierung und Struktur der deutschen Gefrierindustrie

Anfang 1941 nahm Gestalt an, worüber seit Frühjahr 1940 ab und an, seit Herbst 1940 dann immer häufiger zu lesen gewesen war: „Es ist wirklich eine fabelhafte neue Sache, mit der wir Sie hier bekanntmachen, und zwar kein Projekt, das erst in grauer Ferne in den Bereich der praktischen Wirklichkeit einrücken wird, sondern mit dem wir alle schon bald Bekanntschaft machen werden. Bisher kannten wir haltbargemachtes Obst und Gemüse nur aus der Konservenbüchse, wo es durch das Einkochen schon einen Teil seines Nährwertes eingebüßt hat. Durch die Methode des Schnellgefrierens dagegen werden Früchte und Gemüse, Fleisch und Fisch in rohem Zustand, in aller Zartheit und Vitaminfülle haltbar gemacht und dem Verbraucher zugeleitet“ (Frisches Frühlingsgemüse aus dem Eis, Schlesische Sonntagspost 1941, Nr. 5 v. 2. Februar, 10-11). Das klang verheißungsvoll, spiegelte zugleich die Sprache dieser Zeit. „Tiefkühlkost“, dieser heute gebräuchliche Dachbegriff, etablierte sich in Westdeutschland erst seit Mitte der 1950er Jahre. Während des Zweiten Weltkrieges sprach man von „Feinfrost“, „Kühlkost“ oder „Gefrierkonserven“, präsentierte diese zugleich als Teil der Versorgungsleistungen des NS-Staates. Die Konsumenten hatten durch die schon vor dem Überfall auf Polen etablierte Lebensmittelrationierung schließlich einen Anspruch auf Grundversorgung. Das bedeutete auch die Zuleitung vitaminreichen Obstes und Gemüses durch den sorgenden, den versorgenden NS-Staat. Und es bedeutete auch Teilhabe an den Errungenschaften wissenschaftlicher Geistesarbeit, an den Errungenschaften der modernen Technik.

Die wichtigsten Akteure der Gefrierindustrie etablierten sich bis 1942 in einem vom NS-Staat gesetzten Rahmen. Das betraf das regulative Umfeld, die wissenschaftliche Grundlagenforschung, die Entscheidungen über Rohstoffe und Devisen. Den eigentlichen Impuls gab der Vierjahresplan, also die Ende 1936 intensivierte Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft auf den spätestens 1940 zu führenden Krieg. Allerdings war die mittelbetrieblich organisierte Konservenindustrie anfangs nicht bereit, die hohen Investitionskosten zu tragen, um einerseits die neue Technik praxisnah zu entwickeln, andererseits ein neues Marktsegment ohne größere Subventionen aufzubauen („Aufbau der Gefrierwirtschaft“, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 484 v. 22. September, 4). Das Reichsernährungsministerium, die aufstrebende Vierjahresplanadministration und nicht zuletzt die Wehrmacht griffen deshalb zu einem für die NS-Wirtschaft typischen Mittel: Es wurden neue Unternehmen gegründet, damit die bestehenden Strukturen des an sich gebundenen Marktes in Frage gestellt. Dadurch stieg der Druck, die nun anlaufende Entwicklung nicht zu verpassen. Zugleich legte man sich staatlicherseits noch nicht auf nur eine Produktionstechnik, auf nur wenige Lebensmittel fest. Die leistungsfähigsten Maschinen, die ansprechendsten Konsumgütersortimente sollten sich im oligarchischen Wettbewerb herausstellen.

Der Aufbau eine neuen Gefrierindustrie markierte einen gewissen Bruch innerhalb der nationalsozialistischen Agrar- und Ernährungspolitik: Standen die ersten Jahre unter den vorrangig quantitativen Zielsetzungen einer „Erzeugungsschlacht“, so ging man ab 1936/37 zunehmend dazu über, die vorhandenen Lebensmittel auch möglichst optimal zu nutzen. Landwirtschaftliche Selbstversorgung blieb aus Devisengründen ein vorrangiges Ziel, doch nun wurde verstärkt versucht, die vorhandenen Nahrungsgüter im Rahmen einer „Erhaltungsschlacht“ möglichst verlustarm zu verwerten. Nicht nur hauswirtschaftlich hieß es „Kampf dem Verderb“, sondern auch die Lebensmittelindustrie sollte leichtverderbliche Nahrungsgüter möglichst schonend lagern und konservieren, Schwund und Verluste möglichst minimieren. „Verbrauchslenkung“ diente zur Abpufferung dieser Politik, spiegelte die immer noch stark saisonale Prägung des Angebotes. Anderseits verbesserte verstärkter „Vorratsschutz“ die staatliche Lagerhaltung und Rationierungswirtschaft (G[eorg] Kunike, Aufgaben und Ziele des Vorratsschutzes, in: Forschung für Volk und Nahrungsfreiheit, Berlin 1938, 559-561).

Nachzügler bei der Kühltechnik: Hygieneprobleme beim Lebensmittelabsatz (Kölnische Illustrierte Zeitung 8, 1933, 662)

Seit 1938 entstanden binnen weniger Jahren mehrere große „Konzerne“, die teils auch die Tiefkühlwirtschaft der Nachkriegszeit prägen sollten. Sie knüpften an teils länger zurückreichende Vorgänger an, denn mehr oder minder praktikable Schnellgefrierverfahren hatte es bereits vor dem Ersten Weltkrieg gegeben. Pionierprodukt war Fisch, seine Gefrierkühlung wurde hierzulande während des Ersten Weltkrieges verbessert, seit Anfang der 1920er Jahre auch praktisch erprobt. Kernfragen des Geschmacks und der Lagerhaltung konnten allerdings noch nicht zufriedenstellend beantwortet werden, denn die als Kühlmittel verwandte Salzsole veränderte die Gefrierwaren unvorteilhaft. Das Deutsche Reich barg zwar eine exportorientierte Kühltechnik, und auch das globale Renommee des deutschen, des bayerischen Bieres gründete darauf (Stefan Manz und Uwe Spiekermann, Making Food Empires. German Technology and Global Mass Production, 1870-1914, Oxford 2026, 171-172). Doch Deutschland war kein Land der Tiefkühlung, keines des Gefrierens. Das galt eher für Großbritannien, das beträchtliche Mengen seines Fleischbedarfs per Seetransport aus dem überseeischen Empire deckte. Das galt insbesondere aber für die Vereinigten Staaten, deren Lebensmittelversorgung auf einem immensen Netzwerk von Kühlwaggons, Kühlhäusern und auch gewerblichen Kühlschränken gründete. Während die Reichsbahn Ende der 1920er Jahre 2.200 Kühlwaggons besaß, zählte man in den USA etwa 180.000 (Hanns-Liudger Dienel, Ingenieure zwischen Hochschule und Industrie, Göttingen 1995, 62). Die hiesige Kühlhausfläche betrug Anfang der 1930er Jahre weniger als ein Hundertstel der westlichen Flügelmacht und erreichte lediglich Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt (Henning, Die Segnungen der Kälte-Industrie für der Lebensmittelverkehr, Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie 42, 1935, 195-199, hier 197).

Die vielgestaltige Infrastruktur in den USA ermöglichte in den 1920er Jahren ein „Kühlwunder“, getragen von Speiseeis und vor allem Gefrierfisch: 1926 produzierten etwa fünfzig Firmen 18 Mil. Pfund verpackter Ware, zwei Jahre später waren es bereits neunzig Firmen mit 65 Mio. Pfund (W[alther] Pohlmann, Neuere Fischgefriermethoden in Amerika, Die Kälte-Industrie 26, 1929, 89-92, hier 88). Zahlreiche Verfahren des Schnellgefrierens wetteiferten um die wirtschaftlichste Methode; und es war anfangs keineswegs ausgemacht, dass die bei der General Seafoods Corp. in Gloucester, Mass. implementierte Methode des US-Biologen Clarence Birdseye (1886-1956) im Folgejahrzehnt das Rennen machen sollte (s. mit vielen Verkürzungen und Fehlern Mark Kurlansky, Birdseye. The Adventures of a Curious Man, New York et al. 2012). Ende der 1920er Jahre verbreiterten kapitalkräftige Massenfilialisten ihr tiefgekühltes Angebot erst auf Fleisch, dann auch auf Obst und Gemüse. Beträchtlichen Wachstums zum Trotz blieb die Revolution der Alltagsernährung während der Weltwirtschaftskrise ohne den erwarteten, ja erhofften Schwung. Dennoch blieben die USA das große Vorbild der gefriertechnischen Umgestaltung, der politisch-wirtschaftliche Einschnitt 1933 war dafür unerheblich. Doch nicht nur aus Devisenmangel investierte man hierzulande vorrangig in eigene Technik, insbesondere in das auf die Fischindustrie zugeschnittene Luftgefrierverfahren nach Heinrich Heckermann (1883-1945). Seefisch erlaubte mehr Eiweiß ohne Devisen.

Vorbild USA: Tiefgefrorenes Lammfleisch der Frosted Foods Company (Die Bedeutung des Birdseye-Verfahrens, Blätter für landwirtschaftliche Marktforschung 2, 1931/32, 27-31, hier 29)


Kartellierte Industrie

Die Gefriertechnik bot in den 1930er Jahren demnach einen Hebel für eine neue Art des Produzierens und Konsumierens. Sie verband agrarpolitische Ziele wie Erhaltungs- und Lagerschutz mit dem Konsumenteninteresse an hochwertigen und gering verarbeiteten Lebensmitteln. Für Technokraten wie den nationalsozialistischen Ingenieur und Lebensmitteltechniker Rudolf Heiss (1903-2009) lag darin die Chance einer umfassenden Rationalisierung des Konsumsektors und einer beträchtlichen Leistungssteigerung in Wirtschaft und Wehrmacht (Rudolf Heiss, Die Aufgaben der Kältetechnik in der Bewirtschaftung Deutschlands mit Lebensmitteln, Berlin 1939). Dazu waren allerdings immense Investitionen erforderlich, also kapitalkräftige Großunternehmen. Bis 1942 etablierten sich insgesamt vier führende „Gefrierkonzerne“, die mit jeweils unterschiedlichen Rohstoffen, Techniken, regionalen Zuschnitten und Kapitalstrukturen den Markt dominierten. Während man 1940 in der Presse noch freudig von vierzehn größeren „Gefrierunternehmungen“ sprach, schmolz diese Zahl in den Folgejahren rasch ab, fügte man sich in die staatlich geförderten Verbünde. Ziel dieser Quasi-Kartelle war es, „durch weitere Verbesserung der Maschinen und Apparate, durch Erweiterung der Kühlfläche auf etwa zwei Millionen Quadratmeter und durch entsprechende Werbung allmählich weiteste Volkskreise für diese hervorragende und einzigartige Konservierungstechnik zu gewinnen. Bald wird das ‚Gefrierpaket‘ in jeder Küche zu finden sein“ (Gefrierkonserven für den Tisch, Riesaer Tageblatt und Anzeiger 1940, Nr. 227 v. 26. September, 3).

Den Anfang machte die Fischwirtschaft. Die 1938 in Hamburg gegründete, von der dort ebenfalls ansässigen Firma Philipp Reemtsma finanziell mitgetragenen Firma Andersen & Co. GmbH konzentrierte sich auf den zuvor schon im Vordergrund stehende Gefrierfisch (Der Siegeslauf der Kühltechnik, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 156 v. 8. Juli, 156, Stadtbl., 4). Sie setzte auf das von Rheinmetall-Borsig in Kooperation mit Linde verbesserte Heckermann-Verfahren, das heute als Pioniertechnologie des Schockfrostens gilt. Anfangs ging es vor allem um verkürzte Verderbszeiten, um Schnellgefrieren auf hoher See. Analog zum 1936 wieder aufgenommenen Walfang sollten die erbeuteten Tiere „fangfrisch“ in einem Mutterschiff verarbeitet werden. Die Kühlung durch rasch zirkulierende kalte Luft erlaubte kontinuierliches Gefrieren ohne Vorverpackung (Wilhelm Ziegelmayer, Die Ernährung des deutschen Volkes, Dresden und Leipzig 1947, 602). Andersen konzentrierte sich anfangs fast ausschließlich auf die Fischversorgung der Wehrmacht. Nach Beginn des Krieges und dem damit verbundenen Einbruch der Hochseefischerei diversifizierte sie auch in die Tiefkühlung von Obst und Gemüse. Ihre Bedeutung für den Zivilmarkt blieb dennoch gering, Hauptgeschäft war die Belieferung von Großkunden.

Flexibler Einsatz mobiler Gefrieraggregate: Einsatz von Andersen-Geräten in der Konservenfabrik Gifhorn 1942 (Tiefkühlgemüse, 1965, 343)

Anfang 1939 wurde als zweiter Gefrierkonzern in Berlin die Solo-Feinfrost GmbH mit einem Stammkapital von 6 Mio. RM gegründet. Sie nutzte die zuvor von der Hamburger Margarine-Verkaufs-Union erworbenen Birdseye-Patente. Solo-Feinfrost war Teil des niederländisch-britischen Konzerns Unilever, der aufgrund der geltenden Devisenzwangswirtschaft seit den frühen 1930er Jahren die nicht unbeträchtlichen Gewinne nicht mehr an die ausländische Muttergesellschaft abführen durfte. Das Kapital investierte man daher im Deutschen Reich, rüstete Walfangflotten aus, beteiligte sich am Fischereikonzern und Massenfilialisten Nordsee Deutsche Hochseefischerei AG. Solo-Feinfrost erschloss weitere Sortimente, konzentrierte sich seit Herbst 1939 auf das Tiefgefrieren von Obst und Gemüse (Heinrich Lohmann, Der Bremer Fichtenhof und seine Bewohner, Bremen 2018, 96). Der Gefrierkonzern war finanziell in der Lage, die hohen Kosten für die dezentrale Gefrierinfrastruktur aufzubringen: Ein Plattenfroster kostete etwa 40.000 RM, eine Gefriertruhe 1.500 RM. Solo-Feinfrost etablierte ab 1939 ein schnell wachsendes Netzwerk dezentraler Gefrierstätten, indem es vertraglich gebundenen Konservenfabriken Gefrieraggregate zur Verfügung stellte. Auf gleicher Grundlage lieferte man Gefriertruhen an leistungsfähige Einzelhändler (Der Aufbau der deutschen Gefrierwirtschaft, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 478 v. 19. September, 4). Es ging offenbar auch ohne die tradierte und gut organisierte Konservenindustrie, denn die Technik wurde gestellt, der weitere Absatz übernommen. Solo-Feinfrost hatte seit Mai 1939 auch mit dem Tiefgefrieren von Fischfilets in den Anlandehäfen Wesermünde und Cuxhaven experimentiert, baute diesen gleichermaßen von der Nordsee und der Wehrmacht geförderten Betriebszweig aber nicht weiter aus (Neue Forschungsergebnisse beim Gefrieren von Lebensmitteln, Hamburger Fremdenblatt 1940, Nr. 16A v. 17. Januar, 3). Märkte wurden wie Filets passgenau zugeschnitten. Dass Unilever 1940 in Deutschland unter Treuhänderschaft gestellt wurde, erlaubte anschließend eine Ausweitung der Vertragsproduktion mit Birdseye-Technik auch in das besetzte und verbündete Europa (Frozen Foods Skyrocketed In Wartime Germany, Food Industries 18, 1946, 183).

Regionale Verteilung der Plattenfroster der Solo-Feinfrost GmbH​ im Deutschen Reich 1940-1944 (Uwe Spiekermann auf Basis von Mangan et al., 1945, 46)

Der dritte Gefrierkonzern entwickelte sich aus der Speiseeisindustrie, wobei die 1933 von Josef Pankofer (1907-1963) in München eröffnete Eisdiele namensgebend wurde. Er bündelte länger bestehende Expertise, etwa der 1925 gegründeten Berliner Grönland GmbH, die bereits 1927 Obst mittels Trockeneis erfolgreich eingefroren hatte. In Kooperation mit der Potsdamer Konservenfabrik Zinnert lieferte sie Luxuswaren insbesondere für den Berliner Gastronomiekonzern Aschinger, der 1935 seinerseits mit dem Fleischgefrieren für den eigenen Restaurantbetrieb begann (Gefrorene Nahrungsmittel, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 380 v. 28. Juli, 4). Josef Pankofer kooperierte mit der 1935 gegründeten Unilever-Tochter Langnese, zudem mit dem 1937 in Nürnberg gegründeten Lizenznehmer Karl Schoeller. Unterstützt von der Vierjahresplanbehörde begann Pankofer & Co. ab 1939 mit dem Direktabsatz von Gefrierkonserven, Gefriertruhen wurden den Einzelhändlern geliefert. Die Firma expandierte rasch, machte 1942 dann einen weiteren Entwicklungsschritt. Die gemeinsam mit der zuvor aus dem Zigarettengeschäft ausgestiegenen Familie Neuerburg in München gegründete Firma Neuerburg & Pankofer wies ein Stammkapital von fünf Mio. RM auf, erforderlich vor allem zur Europäisierung des Geschäfts. Eroberungskriege müssen schließlich zu etwas Nutze sein. Ziel waren nicht zuletzt alkoholfreie „Volksgetränke“, ermöglicht durch im Ausland tiefgekühlte Fruchtkonzentrate, ein in den USA damals bereits gängiges Verfahren (Die vierte Gefriergruppe, Frankfurter Zeitung 1942, Nr. 392 v. 4. August, 4).

Schließlich schlossen sich 1942 zahlreiche zuvor schon in der Gefrierkonservierung tätige mittlere Dosenkonservenhersteller zur Ahena zusammen, der in Düsseldorf ansässigen Arbeitsgemeinschaft von Herstellern tiefgefrorener Nahrungsmittel GmbH. Die anfängliche Zurückhaltung der Branche war damit gebrochen, die neuen Marktchancen überwogen offenbar die finanziellen und technischen Risiken. Die Ahena bestand aus teils schon zuvor aktiven Firmen, wie etwa Dr. Willy Knoll in Nürnberg, der schon erwähnten Konservenfabrik W. Zinnert in Potsdam oder der Fa. Sössing in Laufa a.d. Unstrut. Auch das badische Unternehmen Gebr. Bratzler, Kühlhaus Müggensturm, die Firma Aschinger und das in Brandenburg ansässige Kühl- und Gefrierhaus „Vitam“ gehörten zu dieser Gruppe (vgl. Die zweite Gefrierkonservensaison, Frankfurter Zeitung 1942, Nr. 103 v. 23. Februar, 2; Frozen Foods, 1946, 183). Im Verbund froren sie vor allem Gemüse und Obst, belieferten Zivilbevölkerung und Großverbraucher wie die Wehrmacht, agierten aber auch multinational, etwa mittels der Dutch Winterzon-Conserven N.V.

Die vier Gefrierkonzerne bauten vielgestaltige Produktionsstätten und Absatzketten auf. Dies basierte einerseits auf einer neu ausgebildeten Gefriermaschinenindustrie, zum anderen auf Dienstleistern für die auszudehnende Kühlkette. Erstere wuchs gleichsam organisch aus der je ein halbes Dutzend klingende Namen umfassenden Kältemaschinen- und Kühlschrankindustrie (Hans Mosolff (Hg.), Der Aufbau der deutschen Gefrierindustrie, Hamburg 1941). Letztere bestand vor allem aus der 1941 gegründeten Kühldienst GmbH resp. der Deutschen Behälter-Verkehrs GmbH (F.W. Packenius, Die Kühlkonserve, Das Reich 1941, Nr. 40 v. 5. Oktober, 10). Getragen vornehmlich von staatlichen Stellen, sollten beide die von der Reichsbahn und dem zunehmend ausgedünnten Fernlastverkehr gelassenen Lücken schließen (Kühldienst für Lebensmittel, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 267 v. 28. Mai, 4). Neben Transportmitteln entwickelten sie insbesondere aus Leichtmetall bestehende Transportcontainer mit integrierter Gefriertechnik, die an Produktionsstätten gefüllt wurden, im Güterverkehr einsatzfähig, zugleich aber als Kühlzellen nutzbar waren (Sicherung der Gemüseversorgung, Gartenbauwirtschaft 58, 1941, Nr. 44, 2). Die Kühlkette wurde dadurch flexibilisiert, sehr unterschiedliche Zugmaschinen und die Reichsbahn übernahmen den Transport. So konnte man mit überschaubarem Kapitalaufwand an unterschiedlichen Ernteplätzen produzieren, den Versorgungsbedarf an unterschiedlichen Orten decken. Das war wichtig, handelte es sich bei der Gefrierkonservierung doch immer noch um einen Saisonbetrieb, der von „natürlichen“ Ernte-, Fang- und Schlachtrhythmen abhängig war.

Weitere Firmen und Techniken wären zu nennen, doch hier geht es um die Grundstruktur von Produktion und Absatz. Sie basierte auch auf den bei Quasi-Kartellen üblichen Absprachen über die Gefrierguter, über die Absatzmärkte (Die Kapitalinteressen in der Konserven-Industrie, Stuttgarter Neues Tageblatt 1940, Nr. 256 v. 17. September, 7). Die Firmen konkurrierten und kooperierten zugleich, agierten sie doch in von Rationierung und Kriegseinschränkungen geprägten Wachstums- und Verkäufermärkten. Kompromisse waren daher einfacher. Flankiert wurde all dies durch „Marktordnung“, durch staatliche und halbstaatliche Regulierungen. Das bedeutete Qualitätsnormen, Sortenbegrenzung, Zuchtziele und eine gesicherte Stellung der Gefrierkonserven im Vierklang mit Frisch-, Trocken- und Dosenwaren (Gefrierkonserven in der Marktregelung, Neueste Zeitung 1941, Nr. 189 v. 14. August, 3; Gefrierkonserven gleichberechtigt, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 112 v. 2. März, 2. Morgenbl., 3). Gewiss, während der NS-Zeit gab es eine deutliche Diskrepanz zwischen der plantechnisch aufgebauten Struktur und den Problemlagen des Alltags. Doch die Struktur war just für den Zivilsektor arbeits- und ausbaufähig.

Warum Tiefkühlkost?

Der Aufbau der deutschen Gefrierindustrie wurde damals vorrangig unter technischen, wissenschaftlichen, politischen und ökonomischen Aspekten diskutiert, während der Verbrauch(er) in der Literatur nur als funktionierendes und zu belehrendes Endglied vorkam. Dies entsprach dem Selbstverständnis der Funktionseliten, die hochwertige Waren produzieren wollten, beim Absatz aber auf deren Überzeugungskraft setzten. Gutes würde gegessen werden, den Rest erledigten Marketing und Konsumnarrative. Der Markt war ein Rieselgeschehen (vgl. etwa Karl Paech und Erwin Loeser, Die Gefrierkonservierung von Gemüse, Obst und Fruchtsäften, Berlin 1941; R[udolf] Heiss u.a., Fortschritte der Lebensmittelforschung, Dresden und Leipzig 1942, 21-46, 150-182; Rudolf Heiss, Anleitung zum Frischhalten der Lebensmittel, 2. verb. u. erw. Aufl., Berlin 1945; Rudolf Heiss, Fortschritte in der Technologie des Konservierens von Obst und Gemüse, Braunschweig 1955, 9-105). Die Frage nach dem Warum der Tiefkühlkost, nach ihrer Alltagsbedeutung war darin gesetzt. Die folgenden fünf Unterkapitel werden auf Basis vor allem an Durchschnittsverbraucher gerichteter Zeitungsartikel nun versuchen, andere Antworten auch aus Perspektive der Konsumenten zu geben.

Dominanz der Militärverpflegung?

Tiefkühlkost diente während des Nationalsozialismus vor allem der Verpflegung der Wehrmacht. Dieses Mantra der Fachliteratur basiert auf deren Vorbildfunktion für eine kämpfende Nation, für eine überlegene Rasse. Eine vitaminreiche Militärverpflegung mit hohem Eiweißgehalt garantierte Kampfkraft, ansprechende Textur und guter Geschmack sollten die Stimmung hochhalten. Sie war ein männlich ersonnenes Abbild einer bequem handhabbaren und ernährungswissenschaftlich austarierten Nachkriegsernährung (Uwe Spiekermann, Künstliche Kost, Göttingen 2018, 583-611). Die Fortschritte gegenüber den Kaiserlichen Armeen wurden 1939/40 voller Stolz öffentlich präsentiert, repräsentierten den vermeintlichen Rüstungsvorsprung der Wehrmacht ebenso wie der Stuka, die 88-mm-Flak oder die U-Boote. Tiefkühlkost war Teil dieser Rüstungs-PR, symbolisierte den Wandel hin zum Neuen: „Bei Gemüse, Obst und Fleisch geht die Wehrmacht mehr und mehr zur Tiefkühlung über, deren Vorteile nicht nur für die Organisation des Nachschubs gelten, sondern auch in der Erhaltung der Vitamine und der Haltbarkeit und in dem ausgezeichneten Geschmack der tiefgekühlten Ware liegen, der sich von der frischen in keiner Weise unterscheidet. In ziegelsteinförmigen Blöcken werden Spinat, Karotten, grüne Bohnen und andere Gemüse, Erdbeeren, Kirschen, Brombeeren, Aepfel und jedes andere Obst, ebenso wie brat- und kochfertiges Fleisch bei 30 Grad unter Null eingefroren, um in der Feldküche in wenigen Minuten aufgetaut zu werden. Auch bei größter Hitze kann diese Ware tagelang von der Truppe mitgeführt werden, ohne daß sie im geringsten leidet“ (Tiefgefrorene Soldatenkost, Zeno-Zeitung 1940, Nr. 154 v. 4. Juni, 4). Tiefkühlkost war hochwertige Männerkost, auch daraus resultierte ihre hohe Wertschätzung. In der Presse wurde bei Einführung der neuen Produkte entsprechend immer wieder darauf verwiesen, dass die „ersten Mengen [20.000-25.000 Tonnen, US] vor allem den Lazaretten, Krankenhäusern und denjenigen Truppenteilen unserer Wehrmacht zur Verfügung gestellt [werden], bei denen auch in den Wintermonaten eine möglichst vitaminreiche Kost erforderlich ist“ (K. v. Philippoff, Gefrierkonserven, Der Sächsische Erzähler 1940, Nr. 281 v. 29. November, 7).

Grobes für die Wehrmacht: Ausgepackter Fleischziegel, Packungen in verschiedenen Größen, Gefrierrahmen (Wiener Neueste Nachrichten 1939, Nr. 272 v. 22. Dezember, 7; R[udolf] Heiss et al., Fortschritte der Lebensmittelforschung, Dresden und Leipzig 1942, 155)

Wird an solchen Aussagen schon deutlich, dass Gefrierkost eher für Rekonvaleszente, Etappe oder Ruhestellungen bestimmt war, so finden sich zugleich öffentlich kaum Bildbelege für Gefrierkost bei der kämpfenden Truppe. Bei den Bildern dominierte die gern gezeigte, nun mit einer Bratvorrichtung versehene „Gulaschkanone“, ansonsten aber Brot, Wurstwaren, ferner das wohl gefüllte Feldgeschirr in der Hand des gut gelaunten Soldaten. Die wichtigste Ausnahme war beredt, der Fleischziegel. Ein Koloss der Kraftübertragung, eine quadratisch oder rechteckig gepresste tiefgekühlte Gefrierkonserve. Seit 1939 seien „wöchentlich Hunderte von Tonnen Fleisch“ gefroren worden, um die Gefrierapparate auch während des Winters auszunutzen – so der Leiter des Verpflegungsabteilung im Heeresverwaltungsdienst Wilhelm Ziegelmayer (1898-1951). Die Vorteile bei Transport und Hygiene seien offenkundig. Doch er hob bezeichnenderweise die lange Haltbarkeit auch bei unzureichender Kühlung, bei Fahrten in lediglich isolierten Waggons hervor. Auch über den so sehr geförderten Gefrierfisch schrieb er im Futurum (Ziegelmayer, 1947, 603). Es verwundert daher nicht, dass die Nachkriegsuntersuchungen der britischen Streitkräfte zu einem ernüchternden Urteil kamen: „In the early stages of the war the ‘Cold Chain’ did not reach to the front lines but only to army camps, division headquarters etc. Later on in the war when supply lines had been shortened there was little or no frozen food available. […] Likewise, it appears that frozen foods supplied to the Wehrmacht went primarily to Norway and Russia” (Mangan et al., 1945, 45-46). Verlässliche Zahlen fehlen, auch deshalb sollte man vorsichtig sein, ehe man den NS-Wissenschaftlern und ihren Begründungen für die eigene Arbeit glaubt.

Präsentation der modernisierten Wehrmachtskost inklusive mehrerer Gefrierkonserven (Stuttgarter NS-Kurier 1940, Nr. 300 v. 30. Oktober, 18)

Gefrierkost war auch für die Wehrmacht schwer zu handhaben, die Kühlkette nur selten sicherzustellen, überforderte sie doch die Truppe abseits von Kasernen, Garnisonen und festen Truppenunterkünften. Angesichts beträchtlicher Probleme im vielfach noch per Pferd oder Esel bewegten Nachschub ist es recht unwahrscheinlich, dass es sich um eine an der Front häufiger eingesetzte Kostform handelte, um mehr als eine begrenzte Ergänzung (Ebd., 70). Hinzu kamen die Defizite an den Zielorten selbst, denn nach dem Krieg betonten Beteiligte, dass bei der
Wehrmacht ganze Ladungen aufgrund unzureichender Kühlung verdarben und Spediteure und Lageristen nur unzureichend geschult werden konnten (J.L. Heid, Aufgaben der Forschungsabteilung in der Nahrungsmittel-Industrie, Die industrielle Obst- und Gemüseverwertung 36, 1951, 18-20, hier 19).

Angesichts dieser nicht quantifizierbaren Eindrücke ist es nicht überzeugend, die Wehrmacht als den eigentlichen Nutznießer der Gefrierindustrie in den Vordergrund zu rücken. Zeitgenössisch diente der Verweis auf den Militärbedarf vor allem der Camouflage. Die anvisierten und öffentlich kommunizierten Produktionsmengen wurden nicht erreicht, das Surplus von der Wehrmacht aufgenommen – eine perfekte Begründung für den hinter den selbst geschürten Erwartungen zurückbleibende Verkauf an die Zivilbevölkerung. Zugleich aber sollte die in den „sog. ‚Konservengebieten‘“ (Ausgabe von Gefrierkonserven [11.4.1942], in: Verfügungen / Anordnungen / Bekanntgaben, hg. v.d. NSDAP, München 1943, 694-695, hier 695) versorgte Bevölkerung für diese Sonderzuteilungen dankbar sein. Schließlich würden von der weisen Führung doch „alle Maßnahmen getroffen, auch den Bedürfnissen der Zivilbevölkerung weitestgehend gerecht zu werden“ (Feinfrost-Gemüse und -Obst, Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 212 v. 2. August, 5). Der vermeintlich hohe Gefrierkostanteil der Militärverpflegung war vor allem Teil des Spieles mit den Erwartungen der Zivilbevölkerung. Schließlich verschwanden Markenartikel und ganze Konsumgütersegmente ab Herbst 1941 vornehmlich aufgrund der bevorzugten Wehrmachtslieferungen und nicht aufgrund unzureichender Planungen und fehlender Ressourcen in einem schon damals verlorenen Krieg.

Europäische Großraumwirtschaft als Herrschafts- und Kooperationsprojekt

Die nur geringen Steigerungsraten der Tiefkühlkostproduktion in Deutschland sollten und wurden durch die Europäisierung der Gefrierindustrie aufgefangen, die Wachstumsgeschichte dadurch bestätigt. Ebenso wie sich die Wehrmacht möglichst aus den eroberten und besetzten Gebieten versorgen sollte, so bekam auch die deutsche Zivilbevölkerung ihren Anteil an der Beute. Dies erfolgte in an sich zivilisierter Weise und nicht nur zu Lasten der okkupierten und kooperierenden Länder. Ohne die deutschen Investitionen in Norwegen wäre dessen Nachkriegsentwicklung schwieriger verlaufen – auch wenn diese ökonomisch begründete Aussage gesellschaftspolitisch anders ausfallen müsste (Harald Espeli, Economic consequences of the German occupation of Norway, 1940-1945, Scandinavian Journal of History 38, 2013, 502-524; Simon Gogl, Laying the Foundations of Occupation. Organisation Todt and the German Construction Industry in Occupied Norway, Berlin 2020). Die Ausbeutung naturaler Ressourcen erfolgte gegen Bezahlung, Technologietransfer war Usus, ähnlich wie zuvor zwischen den Gefrierkonzernen und den deutschen Vertragsproduzenten.

Der vom Deutschen Reich begonnene Zweite Weltkrieg war ein Raub- und Vernichtungskrieg, wenngleich die Akzentuierungen nach Region und Rasse deutlich unterschiedlich waren. Er stand in der geopolitischen Tradition der Großmächte im Kolonialzeitalter, der Umgestaltung der Einflusssphären während und nach dem Ersten Weltkrieg, war auch beeinflusst von den Utopien globaler Arbeitsteilung. Die deutsche Agrar- und Ernährungspolitik war schon vor dem Krieg von Vorstellungen hierarchischer Kooperation mit ausländischen Staaten durchzogen, die Clearing-Geschäfte mit Norwegen oder die Kooperationen mit südosteuropäischen Staaten spiegelten teils schon die kommende europäische Großraumwirtschaft (Gustavo Corni und Horst Gies, Brot, Butter, Kanonen. Die Ernährungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitlers, Berlin 1997, 364-376). Die Gefrierindustrie war ein Paradebeispiel für die Kooperation im Konsumsektor unter deutscher Herrschaft (Ed[uard] Emblik, Die Bedeutung der Gefrierkonserve in der europäischen Großraumwirtschaft, ihre Herstellung und ihr Transport, Zeitschrift für die gesamte Kälteindustrie 50, 1943, 89-93). Hinweise müssen genügen, eine gesonderte Aufarbeitung fehlt.

Mit Beginn des Krieges begannen Nordsee und Solo-Feinfrost mit Verhandlungen über die Gründung eines deutsch-norwegischen Unternehmens, das mittels Birdseye-Frostern Fischfilet für den deutschen Markt produzieren sollte (W[alther] Pohlmann, Fischgefrieranlage in Norwegen, Zeitschrift für die gesamte Kälteindustrie 50, 1943, 87-89). Die Vertragshandlungen zogen sich bis März 1940 hin, parallel wurde in Trondheim die Frostfilet AS eingerichtet. Gefeiert als größte Fischgefrieranlage Europas, waren dort unter deutscher Leitung sechs deutsche Meister und 150 norwegische Beschäftigte tätig (Eine Groß-Fischgefrieranlage der „Nordsee“, Westfälische Zeitung 1940, Nr. 249 v. 22. Oktober, 6). Angesichts der aufgrund der britischen Seeblockade zusammenbrechenden Hochseefischerei schien die neue Technik lukrativ, da die Produktion von Stock- und Klippfisch in Norwegen gar zu sehr an die Zeit des Ersten Weltkriegs erinnert hätte. Nach der deutschen Okkupation Norwegens begannen im Juli 1940 die Exporte, doch die Kühlkette wies Mängel vor allem beim Landtransport auf. Lapidar urteilte Nordsee-Direktor Wilhelm Roloff (1900-1979): „Die Qualität des tiefgefrorenen Filets aus Norwegen hat nicht befriedigen können“ (Wilhelm Roloff, Probleme der Tiefgefrierung von Seefischen, Zeitschrift für die gesamte Kälteindustrie 51, 1944, 93-95, hier 94). Norwegen blieb dennoch ein wichtiger Lieferant von Gefrierfisch, auch wenn der Hauptnutznießer wohl die deutschen Besatzungsarmee war (Björn-Petter Finstadt, The Norwegian Fishing Sector During the German Occupation: Continuity or Change?, in: Mats Ingolstadt, Hans Otto Froland und Jonas Scherner (Hg.), Industrial Collaboration in Nazi-Occupied Europe: Norway in Context, London 2016, 389-415). Daneben gab es weiter europäische Direktinvestition von Andersen und Solo-Feinfrost. Letztere produzierte mit Birdseye-Frostern seit 1940 in der Türkei, seit 1942 auch im französischen La Rochelle (Lohmann, 2018, 106).

Kühlraum für gefrorenes Obst- und Gemüse in der Region Paris 1943 (Froid 1943, Nr. 28, 5)

Die Eroberung Westeuropas mündete Ende 1940 auch in eine Kooperation von Andersen, Solo-Feinfrost und Pankofer mit mehr als einem Dutzend leistungsfähiger französischer Konservenproduzenten (oberflächlich Julia S. Torrie, Frozen Food and National Socialist Expansionism, Global Food History 2016, 2-23). Analog zu den deutschen Gepflogenheiten schloss man verbindliche Lieferverträge, um die Erträge der klimatisch begünstigen Gartenbauwirtschaft mit deutscher Technik in Gefrierkonserven für die Wehrmacht umzuwandeln. 1941 sollten 74 Froster in dann 27 Werken arbeiten, die Produktionsmenge die Höhe der einschlägigen Gefrierproduktion im Deutschen Reich erreichen. Unter Einbezug schon vorher mit der Technik vertrauten niederländischen Firmen waren für 1941 20.000 Tonnen geplant (Gefriersyndikat für Wehrmachtslieferungen, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 657 v. 24. Dezember, 2. Morgenbl., 3). Diese Werte dürften nicht erreicht worden sein, parallel gelangte ein unbekannter Anteil auch in den deutschen Zivilabsatz. In den Folgejahren nahm die Zahl der Vertragspartner zu, auch belgische Firmen wurden Teil des Syndikats. In der deutschen Besatzungspresse hieß es selbstbewusst: „Ein wiederbelebter französischer Frühobst- und Frühgemüsebau kann als entscheidender Versorgungsfaktor für Europa gelten, besonders bedeutungsvoll, wenn es gelingt, einen Teil der hier immer vorhandenen Ernteüberschüsse in Gefrierkonserven zu verwandeln“ (Chancen für Frankreichs Gemüsebau, Pariser Zeitung 1941, Nr. 10 v. 24. Januar, 6; vgl. auch Industries des tres basses Températures et Congélation rapide, Froid 1943, Nr. 28, 3-5). Auch die Ahena begann 1942 mit der Westexpansion, gehörten ihr doch zwei niederländische Gefrierkonservenproduzenten an (Gefrierkonserven gleichberechtigt, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 112 v. 2. März, 2. Morgenbl., 3). Europa wurde zum Arbeitsfeld aller deutschen Gefrierkonzerne.

Ambitioniert war zudem die vor allem von Pankofer seit 1941 getragene Kooperation mit italienischen und insbesondere bulgarischen Obstproduzenten. Das war Markt- und Technikzugang unter Verbündeten, diente dem Ausbau der zunehmend dominanten deutschen Wirtschaftsinteressen. Die Kombination von dezentral eingesetzten Plattenfrostern mit Leichtmetallcontainer für jeweils vier bis fünf Tonnen Gefrierobst konnte die Anlagen- und Transportkosten minimieren, den deutschen Konsumenten zugleich Trauben, Erdbeeren und andere Saisonware auch im Winter bieten (Packenius, 1941). Zudem galt es, die durch unzureichende Transportmittel und Lagerflächen hohe Abfallrate zu minimieren. Südosteuropa wurde durch diese Investitionen zeitweilig eng mit den Konsumgütermarkten der deutschen „Konservenstädte“ verbunden. Gerade in Bulgarien zog die neue Industrie beträchtliche einheimische Privatinvestitionen an, 1943 zählte man 95 einschlägige Unternehmen. Im besetzten Polen, in Warschau entstand 1943 das erste Gefrierunternehmen (Frozen Foods, 1946, 183).

Pankofer als Wegbereiter europäischer Verbundwirtschaft unter deutscher Herrschaft (Die Wehrmacht 6, 1942, Nr. 1, 8; Das Reich 1943, Nr. 5, 8)

Ähnlich, wenngleich auf niedrigem Niveau, war die Entwicklung in Ungarn. Dort bauten Gemeinschaftsunternehmen von Solo-Feinfrost und Pankofer wie die Hungaria Container-Verkehrs- und Kühlindustrie AG oder die Ungarische Lebensmitteltransport- und Warenhandels-AG die Gefrierkapazitäten aus, investierten in Lagerhäuser und integrierten den Wasserweg der Donau in die Kühlketten (Ausbau der Tiefkühlung in Ungarn, Hamburger Fremdenblatt 1943, Nr. 102 v. 12. April, 7). Jährlich 12.000-15.000 Tonnen Kühlkost seien möglich (Donau-Kühlkette Wien-Südosten, Neues Wiener Tagblatt 1944, Nr. 199 v. 21. Juli, 4). Rumänien folgte, doch die Rote Armee unterband weitere Kooperationen (Kühlkette nach dem Südosten, Kölnische Zeitung 1944, Nr. 213 v. 5. August, 5)

Gefriertransporte auch per Fluss: Das 1943 in Dienst gestellte Kühlschiff 1 (Hamburger Fremdenblatt 1943, Nr. 163 v. 15. Juni, 7)

Leisten wir uns nun ein wenig Abstand: Wir sehen zumindest ansatzweise den Aufbau einer europäischen Großraumwirtschaft zur Produktion von Gefrierkonserven vornehmlich für den deutschen Markt. Die Wehrmacht stand am Anfang, doch vor allem lockte der Massenmarkt in der Mitte Europas. Die Funktionseliten kollaborierten, profitierten von den neuen Gegebenheiten unter deutscher Dominanz. Die Großraumplanungen zielten nach Überzeugung von NS-Experten wie dem Reichsfachwart der Deutschen Gartenbauwirtschaft Johannes Boettner (1889-1970) auf die Überwindung der steten Agrarkrise des Kontinents, von Absatznot und Überproduktion (Johannes Boettner, Gartenbau im großeuropäischen Raum, Gartenbauwirtschaft 58, 1941, Nr. 4, 1). Die neue Technik würde Ausgleich schaffen, gerechte Preise ermöglichen. Die Landwirtschaft könne sich nun endlich weiter spezialisieren, Klima und Bodenqualität ausspielen, verbunden durch das einigende Band der Kühlkette (Hamburger Anzeiger 1944, Nr. 134 v. 6. Dezember, 2). Im Deutschen Reich würde das die Bühler Obstgegend fördern, die Kirschen kämen aus dem Burgenland, Spinat und Frühgemüse vom Neusiedler See. Noch stärker die Effekte für Europa: „Italien baut Blumenkohl und andere feine Gemüse, das gleiche gilt für Holland, weiter sei auf die Erdbeerkulturen in Bulgarien, auf den Anbau von Paradeisern und Paprika in Ungarn oder gewisse Südfrüchte in Griechenland hingewiesen“ (Marktausgleich durch Kühlware, Neues Wiener Tageblatt 1942, Nr. 346 v. 15. Dezember, 4). Technokratische Utopien dieser Arten sollten eine gemeinsame Grundlage für die Nachkriegszeit bilden, für die Agrarpolitik von EWG und EU.

All das war Teil einer öffentlich geführten Debatte, für jeden deutschen Volksgenossen transparent. Deutschland erschien als Vormacht auf dem Kontinent, die Eliten in Wirtschaft und Landwirtschaft arbeiteten für die deutschen konsumtiven Interessen. Die Macht der Wehrmacht hatte den Rahmen gesetzt, die Gefrierindustrie erschloss nun den Raum. Und die deutschen Konsumenten würden davon profitieren. Kühlkost wurde zu etwas Deutschem, mochte die Rohware auch aus dem Ausland stammen.

Sieg über die unwirtliche Natur: Die Angleichung saisonaler Rhythmen

Ein dritter Grund für die Einführung der Tiefkühlkost in Deutschland war der Fachleute und Konsumenten verbindende Traum der Überwindung der saisonalen Rhythmen. Dieser Zeitensprung hatte seit jeher die häusliche und gewerbliche Konservierung geleitet, trug auch die Werbung für das in Deutschland damals von fast allen Haushalten praktizierte Einmachen. Dazu war jedoch individuelle Arbeit erforderlich, beträchtliche Geldmittel für Apparate, Gläser, Steingut oder auch Dosen. Die Gefriertechnik überließ diesen Aufwand anderen, „man geht – den Erfordernissen einer kaum weniger ans Märchenhafte grenzenden modernen Technik entsprechend, […] zu seinem Lebensmittelhändler und erhält dort, aus der von schneeweißem Email und silbrigen Beschlägen nur so blinkenden Tiefkühl-Truhe, ein ziegelsteingroßes, zierlich umhülltes Päckchen. Es ist seiner Herkunft gemäß etwas kalt anzufühlen; und einige nähere Gebrauchsanweisungen muß man sich auch mit auf den Heimweg geben lassen. Allein der Endeffekt ist derselbe wie im Märchenbuch der Gebrüder Grimm: man kann geraume Zeit später zu Hause eine Schüssel voll frisch duftender Erdbeeren auf den Tisch stellen“ (Obst und Gemüse erntefrisch mitten im Winter, Neue Mannheimer Zeitung 1941, Nr. 43 v. 3. Februar, 8). Das hört sich für uns kitschig an, übertrieben. Doch die Saisonalität hielt die Ernährung unserer Vorfahren in weitaus engeren Grenzen als wir uns dies gemeinhin vor Augen führen. Wir, die wir kaum mehr Sehprobleme haben, weil im Frühjahr Vitamin A fehlt. Die vor der neuen Ernte nicht mehr Zahnweh und Abgespanntheit spüren, weil Vitamin C nur unzureichend verfügbar war. Wir, für die Erdbeeren im Winter ein Vergehen gegen das imaginierte Klima ist, haben wir doch Alternativen durch Technik und Fremdversorgung.

In den späten 1930er Jahren schwankte das Marktangebot von Inlandsgemüse trotz Lagerhaltung und Wintergemüse um den Faktor eins zu vier. Bei Obst war die saisonale Diskrepanz noch größer, mindestens eins zu zehn (Hans-Jürgen Metzdorf, Saisonschwankungen in der Erzeugung und im Verbrauch von Nahrungsmitteln, Die Ernährung 3, 1938, 21-30, hier 26 und 28). Um die saisonalen Ausschläge zu verringern, importierte man Südfrüchte und Auslandsobst, doch diese waren teurer, kosteten Devisen, die nicht mehr für die Rüstung eingesetzt werden konnten.

Marktangebot von Obst im Deutschen Reich inklusive und exklusive der Importe 1936/37 versus das Versprechen steter Frische (Hans-Jürgen Metzdorf, Saisonschwankungen in der Erzeugung und im Verbrauch von Nahrungsmitteln, Die Ernährung 3, 1938, 21-30, hier 28 (l.); Der Vierjahresplan 5, 1941, 790)

In der nationalsozialistischen Presse wurde erwartungsgemäß die politisch-volkswirtschaftliche Ebene mit dem Freiheitsgewinn durch saisonal kaum mehr zurechenbare Kühlkost verbunden. Sie war Teil systematisch betriebener „Vorratspolitik“, um sich „weitgehend von den Ernteschwankungen unabhängig zu machen“ (Durch Kälte von der Jahreszeit unabhängig, Nachrichten und Anzeiger für Naundorf […] 1940, Nr. 230 v. 1. Oktober, 1). Belobigt wurde die „Erhaltung der Vitamine“ (Vitamine im Eiskeller, Der Sächsische Erzähler 1940, Nr. 41 v. 18. Februar, 5) durch die „neuen bahnbrechenden und fortschrittlichen Methoden der Vorratswirtschaft“, die durchaus eingeräumte jahreszeitliche Schwierigkeiten vermindern würden (Hans Wöckener, Die Tiefgefrierkonserve in der deutschen Vorratswirtschaft, Siegener Zeitung 1940, Nr. 101 v. 30. April, 5). Wie eine göttliche Macht wurde die „Technik“ gefeiert, die Frische bewahren, ja schaffen könne (Frische Kirschen im Winter, Haaner Zeitung 1941, Nr. 90 v. 18. April, 3).

Utopie der steten Verfügbarkeit (Dresdner Nachrichten 1938, Nr. 530 v. 11. November, 7)

Die Zeitungen übertrieben, bewusst, gaben der Freude über die neue Technik freien Lauf: „Ein vor vier Jahren geschlachtetes Hähnchen kommt so saftig und frisch aus seiner Eistüte, als habe es gestern noch auf dem Hof den Sand gescharrt. Und die richtig aufgetauten Gemüse und Früchte können gekocht werden, als kämen sie eben vom Gartenbeet oder Obstbaum“ (Das Geheimnis der Schnellkühlung, Hamburger Anzeiger 1941, Nr. 161 v. 12. Juli, 5).

In der zweiten, dritten Saison nahm die Emphase allerdings ab. Hervorgehoben wurde zwar die gütemäßige Verbesserung der Alltagskost im späten Winter (K. v. Philippoff, Gefrierkonserven, Wurzener Tageblatt 1941, Nr. 286 v. 29. November, 8). Die Freude am nun möglichen Zeitensprung wurde jedoch überlagert vom zunehmend durchscheinenden Kriegsgeschehen, von ersten Verringerungen der Rationen: Gefrierkost half nun Reserven zu schaffen, auch um „irgendwo auftretende Bedarfslücken schnell“ füllen zu können (Neue Formen der Gemüseverwertung, Kölnische Zeitung 1942, Nr. 145 v. 20. März, 3). Es ging um Verfügungsgewalt über die Natur, derweil die Verfügungsgewalt über den Krieg langsam entglitt.

Eine US-amerikanische Lastwagenwerbung visualisiert den auch für Deutschland geltenden Traum von der steten Verfügbarkeit moderner Lebensmittel (Time 1947, Nr. 12, 43)

Bemerkenswert ist bei alledem die Rücknahme des Konsumenten selbst. Die grundstürzenden Veränderungen im Natur-Kultur-Verhältnis wurden begrüßt, vor allem aber freudig hingenommen. Tiefkühlkost war etwas Fremdes, von Anderen Geschaffenes. Während parallel die Rezeptspalten hauswirtschaftliche Tugenden priesen, während man mit geringeren Qualitäten und kriegsbedingt eintönigerer Nahrung umgehen musste, nahm man das kühle Neue als Gabe an. Gefrierkost zeigte, dass Vertrauen in die Wissenschaft, die Technik und die Führung letztlich belohnt werden würde. Das war die konsumtive Welt, nach der man sich sehnte – und das nicht nur in Deutschland. Denn die Wissenschaft, die Technik und die Führung würden die Welt verbessern, konnten sie doch bereits das Kommen und Gehen der Jahreszeiten abmildern und glätten.

Frischgemüse vor der Frühernte, Frischfisch zu jeder Zeit (Der Südosten 21, 1943, Nr. 5, 10-11)

Eine neue, höhere Qualität

Tiefkühlkost bedeutete nicht nur einen Sieg über die Zeit. Sie symbolisierte auch eine neue Produktqualität: „Die Qualität der Gefrierkonserven steht an der Spitze aller Konserven“ (Herstellung an Gefrierkonserven beginnt, Sächsische Volkszeitung 1940, Nr. 29 v. 3. Februar, 2). Dadurch habe sie sich in den USA durchsetzen können, ähnliches gelte auch hierzulande. Die neue Technik umhülle das Produkt mit einem stillstellenden Panzer. Die natürlichen Stoffwechselprozesse würden neutralisiert, endlich war man Herren des Konsums. Es schien unglaublich: „Selbst in Geschmack, Form und Aussehen treten keine Veränderungen ein, und die wichtigen Kohlhydrate, Eiweiß- und Mineralstoffe bleiben neben dem Vitamingehalt voll bestehen“ (Gemüse und Obst aus der Kühltruhe, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 97 v. 27. April, Stadtbl., 2). Nicht länger müsse man essen, was wegmüsse, nun ging es darum, was man selbst essen wolle. Hinzu käme die Vorleistung der Industrie: Gemüse würde in kochendes Wasser geschüttet, Fischfilet nach dem Auftauen in der Pfanne gebraten, direkt verzehrt. Tiefkühlkost war bequem, die Arbeit des Putzens, des Schälens, des Entgrätens war mit dem Kauf schon geleistet.

Güte, der die Natur nichts anhaben kann (Mosolff (Hg.), 1941, Tiefkühl ABC, 16)

Gewiss, das war ein konsumtiver Traum, doch ein schöner, ein gerne verbreiteter. Der Einkaufsalltag sah anders aus, nicht immer entsprach die Ware dem „Ehrgeiz des Primats“ (Die erste Saison der Gefrierkonserven, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 117 v. 21. März, 4). Schon nach der ersten Saison wurde ein wenig zurückgerudert, doch Qualität blieb auch weiterhin ein Argument für Tiefkühlkost. Probleme resultierten eben nicht aus der Technik, sondern an der manchmal fehlenden 1a-Qualität der Rohware. Das werde sich aber einrenken, bei deutscher Ware durch klar definierte Qualitätsparameter, ansonsten durch das Ausgreifen auf das Beste, was Europa zu bieten hatte. Probleme waren Übergangserscheinungen einer sich vollends entpuppenden Industrie. Und man werde dem vielleicht einfach begegnen können: A-Ware für allerbeste Waren, B-Ware für den gehobenen Rest. Der aber war immer noch weit hochwertiger als wässerige Dosenware ohne feste Konsistenz, als welkes Frischgemüse oder verklumpte Trockenprodukte.

Neue Produkte für eine gesunden und aufstrebende Arbeitsgesellschaft

Die NS-Zeit, insbesondere aber die Kriegszeit erscheint Nachgeborenen zu Recht als eine Periode zunehmender konsumtiver Restriktionen, wachsender materieller Not. Doch sie war zugleich auch eine der überwundenen Not der Weltwirtschaftskrise, langsam steigender Realeinkommen und eines immer breiteren Horizonts neuer Konsummöglichkeiten. Radios wurden Alltagsgegenstände, Urlaub weitete die Horizonte, (ausländische) Filme unterhielten, führten neue Welten vor, neben Motorräder traten Automobile, ließen Grenzen fluid werden. Vermeintlich unpolitische Illustrierte enthielten stetig Bildberichte aus der Ferne, boten Exotisches, andere Lebens- und Konsumstile. Die Werbung war zwar reguliert, doch die Photographien und Zeichnungen offerierten das Ideal eines Lebens in schicklicher Fülle, in einer arbeitssamen und just deshalb prosperierenden Konsumgesellschaft. Neue Nahrungs- und Reinigungsmittel, eine Phalanx neuer Haushaltsgeräte würden die häusliche Fron minimieren helfen. Strom, Gas und fließendes Warmwasser würden den Alltag verändern. Der öffentlich beschworene „Adel der Arbeit“ würde belohnt, Prävention und die reflektierte Abkehr von den „Genussgiften“ ein nicht nur längeres, sondern auch gesünderes Leben ermöglichen.

Gewiss, das war nicht „Der Wohlstand für Alle“, den der russische Anarchist Peter Kropotkin (1842-1921) als Grundlage einer Gesellschaft von Freien und Gleichen einst ausgebreitet hatte (Peter Kropotkin, Der Wohlstand für Alle („La Conquete du Pain“), Zürich s.a. [1896]). Das war auch nicht das Amalgam von liberalem Wohlstandsversprechen und lebensreformerischem Freiheitssinn, das in den bis heute lesenswerten Arbeiten des Konsumgenossenschafters Franz Staudinger (1849-1921) ausgefächert wurde. Eine nationalsozialistische Konsumgesellschaft grenzte breite Teile der Bevölkerung aus der Konsumgemeinschaft aus, nicht nur Juden. Sie war rassistisch und biologistisch, moralisch entsprechend aufgeladen. Doch sie war modern, nutzte die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik, scheute nicht zurück vor Gewalt und Raub. Tiefkühlkost, zumal in der Variante der europäischen Großraumwirtschaft, war damit bestens zu verbinden. Die ambivalente Anlehnung an die USA folgte teils fordistischen Ideen (vgl. hierzu Uwe Spiekermann, German-Style Consumer Engineering: Victor Vogt’s Verkaufspraxis, 1925-1950, in: Jan Logemann, Gary Cross und Ingo Köhler (Hg.), Consumer Engineering 1920s-1970s, Houndsmill und New York 2019, 117-145, insb. 128-132), war sich aber überlegener Zurückhaltung gewiss, entsprach damit einer reflektierten, sich selbst moralisch dünkenden, integren Gesellschaft.

Entsprechend genoss man frische Erdbeeren, die nicht Statussymbol waren, sondern Belohnung für die eigene Arbeit, Abkehr von der Härte des Alltags. Entsprechend verband man Tiefkühlkost nicht mit dem in den USA so weitverbreiteten, fett und träge machenden Rahmeis. Fisch, frisches Obst und Gemüse waren Teil einer dem arbeitenden Menschen frommenden gesunden Kost. Tiefkühlkost werde helfen, die Obst- und Gemüseverkehr von den damals täglich ca. 260 Gramm auf die wissenschaftlich propagierten 1,1 Kilogramm zu heben (Karl Paech, Die Bedeutung der Gefrierkonserven von Obst und Gemüse für die Volksernährung, Die Umschau 44, 1940, 275-178, hier 275). Ergänzt um Gefrierfisch könne der Fett- und Fleischkonsum so genussvoll gesenkt werden: „Das Ideal des Men­schen der Zukunft ist nicht ein hauptsächlich mit Fleisch und Fett vollgefressener Dickwanst, sondern der in Arbeit und Sport ge­stählte, gesund und zweckmäßig er­nährte leistungsfähige Körper. In diesem gesun­den Körper werden auch gesunde und geniale Geisteskräfte zur Ent­faltung gelan­gen“ (Mosolff (Hg.), Tiefkühl ABC, 1941, 7-8).

Glück, Gemeinschaft, Geborgenheit – Zukunftsbild auch der nationalsozialistischen Konsumgesellschaft (Simplicissimus 46, 1941, 304)

Die körperliche Ausbildung des Einzelnen war Teil einer gerade im Krieg erforderlichen Stärkung der Volksgemeinschaft. Im Verbund könnten die anstehenden Aufgaben gemeistert werden: „Jede Erhaltung leichtverderblicher Nahrungsmittel, jede bessere Produktionsmöglichkeit der deutschen Industrie durch künstliche Kälte läßt es zu, unsere Leistung zu steigern und damit dem Endsieg näherzukommen“ (Hans-Otto Karl, Der „Eisberg“ aus der Maschine, Der Neue Tag 1942, Nr. 17). Im Rahmen des Krieges sei Tiefkühlkost funktional, „Mittel im Kampf gegen die Aushungerungsversuche Englands“ (Gemüse und Obst aus der Kühltruhe, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 97 v. 27. April, Stadtbl., 2). Aber sie sei zugleich Ausdruck des wachsenden Wohlstandes einer arbeitsamen und kämpfenden Gemeinschaft. Der Speisezettel würde revolutioniert werden, die Eintönigkeit der Ernährung im Winter überwunden (Frischegemüse im Karton, Westfälische Tageszeitung 1941, Nr. 32 v. 2. Februar, 10). Tiefkühlkost sei ein erster Lohn, frische, vollwertige Ernährung Ausdruck der lichten Zukunft des deutschen Volkes, „Anfang zu einer Entwicklung, die nach dem Ende des Krieges ihrer Fesseln gänzlich ledig sein wird“ (Tiefgefrorenes Obst und Gemüse, Altenaer Kreisblatt 1943, Nr. 151 v. 1. Juli, 3). All dies waren Projektionen, Utopien, auch Regressionen einer Kriegsgesellschaft. Doch sie deckten sich mit vielem, das auch heute noch in unseren Zeitungen zu lesen ist.

Wie wurde die Tiefkühlkost im zivilen Sektor eingeführt?

Die Einführung der Tiefkühlkost im nationalsozialistischen Deutschen Reich erfolgte vor der Etablierung einer flächendeckenden, bis in die Haushalte reichenden Kühlkette. Beliefert wurden Wehrmacht, Lazarette, Großküchen, aber auch und gerade die Zivilbevölkerung. Tiefkühlkost wurde reichsweit eingeführt, war jedoch an die Gefrierinfrastruktur vor Ort gebunden. Beliefert wurden Großstädte und industriellen Zentren, nicht aber das flache Land, Klein- und Mittelstädte. Das unterschied die neuen Gefrierkonserven von zahlreichen getrockneten Ersatzmitteln, die während des Krieges mit gleichermaßen informierender und spielerischer Werbung reichsweit eingeführt wurden. Der Eiersatz Milei oder das Nährmittel Migetti sind dafür Beispiele. Der Zivilmarkt für Tiefkühlkost war örtlich begrenzt, gut belieferte Kunden waren umsäumt von Zaungästen der Entwicklung. Die damalige Marketing-Not war offenkundig, aus ihr galt es eine Tugend zu machen.

Wir müssen daher drei eng miteinander verzahnten Ebenen verfolgen. Erstens wurde Tiefkühlkost als neue Produktgruppe in Form gängiger Anzeigen in allerdings regional eng zugeschnittenen Zeitungen und einigen reichsweit präsenten Zeitschriften beworben. Zweitens stellten Unternehmen und staatliche Stellen reichsweit Bildmaterial zur Verfügung, das in der gelenkten Presse ein recht anschauliches Bild sowohl der neuen Industrie als auch der neuen Waren vermittelte. Drittens waren beide Maßnahmen umrahmt von allgemeinen, meist textlichen Berichten über die neuen „Gefrierkonserven“, die explizit auf die Normalität nach dem Sieg und die dann bestehende nationalsozialistische Konsumgesellschaft verwiesen. Produktwerbung, Kühlkettenimaginationen und konsumgesellschaftliche Utopie wirkten im Verbund. Die Analyse allein einer dieser Ebenen würde das bestehende kommunikative Feld ungebührlich engführen. Die Einführung der Tiefkühlkost erfolgte zudem parallel zu zahlreichen Kampagnen der Verhaltensregulierung, sei es zum richtigen Heizen, dem Energiesparen oder dem Luftschutz. Das Kaufen, Zubereiten und Verzehren von Gefrierkonserven war daher immer auch ein Plebiszit über die Versorgungspolitik des NS-Staates.

Produktwerbung: Solo-Feinfrost als Pionier der Anzeigenwerbung

Seit 1939 war in den Tageszeitungen von neuen Gefrierkonserven erstmals die Rede gewesen, seit 1940 konnte man immer häufiger darüber lesen. Die Beneluxstaaten und Frankreich waren bald besiegt, das Neue nun eine erste Friedensdividende: „In München sind zu Beginn dieses Jahres die ersten Gefriertruhen im Einzelhandel aufgestellt. Düsseldorf ist gefolgt. Mit der Herbstsaison wird die Solo-Feinfrost in verschiedenen Großstädten etwa 1000 Einzelhandelsgeschäfte mit Gefriertruhen ausrüsten“ (Gefrorene Nahrungsmittel, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 380 v. 28. Juli, 4). Die Unilever- und Reemtsmatochter schaffte es mit ihren in Deutschland dezentral produzierten Obst- und Gemüsewaren in der Tat, Teile der Ernte 1940 zu gefrieren und von Januar bis März 1941 öffentlich anzubieten. Die kommerziellen Claqueure tönten zukunftsfroh: „Nach den bisherigen Erfahrungen darf man dem ‚getrockneten‘ wie dem ‚gefrosteten‘ Gemüse und Obst eine große Zukunft voraussagen. Die Frische macht’s!“ („Durch Feinfrost zur Feinkost“, Anzeiger und Tageblatt [Bad Oeynhausen] 1940, Nr. 268 v. 14. November, 4) Konserven als Frischeprodukte… Nun gut, die Werbung machts, schließlich sind auch heutzutage Frischwaren Ergebnis massiver Sicherungseingriffe.

Solo-Feinfrost als Feinkost (Derner Lokal-Anzeiger 1941, Nr. 18 v. 22. Januar, 4)

Solo-Feinfrost-Ware war verfügbar, doch die Werbung wurde anfangs von den Einzelhändlern getragen, mochte das Warenzeichen des Herstellers (Warenzeichenblatt 48, 1941, 1890) auch die Verpackung zieren. Anzeigenpräsenz und Presserummel schienen nicht folgenlos zu sein, die „weitverbreitete Annahme, die Gefrierkonserve sei eine vorübergehende Erscheinung“ war offenbar falsch (Fritz Spanier, Der Gefrierkonservenvertrieb im Einzelhandel wesentlich erleichtert, Stuttgarter NS-Kurier 1941, Nr. 50 v. 20. Februar, 7). Grundsätzlich konnte jede Volksgenossin zugreifen. In Halle an der Saale lockten Plakate mit der Aufschrift „Obst und Gemüse tiefgekühlt, markenfrei“. Die Gefrierkonserven standen allerdings für mehr als eine neue Ware, vermittelten bereits eine neue Art des Einkaufs, des Ladens: „Wer in ein solches Geschäft eintritt, dem wird sofort eine große, weiße Truhe auffallen, die aus schneeweißem Email hergestellt und die von silbrig blinkenden Beschlägen besetzt ist“ (Obst aus der Kühltruhe, Hallische Nachrichten 1941, Nr. 77 v. 1. April, 5). Die tiefgekühlte Ware wurde noch über den Verkaufstresen oder aber direkt aus der Gefriertruhe gereicht. Obst und Gemüse gab es nicht lose oder aber in der Tüte, sondern aus einem kleinen Pappkarton: „‚Erbsen (fein)‘ steht darauf oder auch ‚Pariser Karotten‘ oder ‚Spargel‘, ‚Erdbeeren‘ oder ‚Kirschen‘, was eben das Herz begehrte. Aber es fühlt sich an wie ein kleiner Eisblock“ (Hannover ißt Gemüse aus der Eiskiste, Hannoverscher Kurier 1941, Nr. 84 v. 5. März, 6). Damit galt es vorsichtig umzugehen, Broschüren, mehr aber noch die Verkäuferin rieten zu schneller Nutzung. All das war ein kleines Abenteuer im höheren Preissegment. „Feinfrost“ war Feinkost, ein Fünftel, ein Drittel teurer als gängige Dosenkonserven. All das war aber auch eine Auflösung des bewusst nicht vollends gelösten Rätsels, was sich denn in den im Herbst 1940 häufiger zusehenden „geschlossene[n] Lastkraftwagen mit der Ausschrift ‚Solo-Feinkost‘“ befunden hatte. Von der Fabrik zum Kühlhaus transportiert, nunmehr in der Hand, in der Einkaufstasche: „So wird das tiefgekühlte Obst und Gemüse bald zu einem Begriff für die deutschen Hausfrauen werden: die Gefrierkonserve steht am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung“ („Durch Feinfrost zur Feinkost“, Anzeiger und Tageblatt [Bad Oeynhausen] 1940, Nr. 268 v. 14. November, 4).

Solo-Feinfrost-Werbung eines Dortmunder Einzelhändlers (Volksblatt [Hörde] 1941, Nr. 9 v. 11. Januar, 4; ebd., Nr. 24 v. 29. Januar, 4; ebd., Nr. 39 v. 15. Februar, 4)

Die Anzeigen chargierten zwischen einfacher Information, Schlagworten und lockenden Anpreisungen: Obst und Gemüse erhielten Produktkonturen, neben Erbsen und Bohnen wurde besonders der Tiefkühlspargel beworben. Der war hochwertiger, „frischer“ als die teure, doch recht wässerig schmeckende Glasware, war Vorschein des bald wieder frisch verfügbaren Frühgemüses. Gefrorene Leguminosen waren eben keine über Nacht zu wässernde Trockenware für den Eintopf, vielmehr handelte es sich um Feingemüse, mit etwas Fett zu dieser Zeit ein gern verspeister Leckerbissen. Das galt stärker noch für Pflaumen, Kirschen und Erdbeeren, Garanten für ein Sonntagskompott, einen außergewöhnlichen Nachtisch. Und doch, zu viel Genuss war nicht kriegsgemäß. Der Verweis auf den hohen Vitamingehalt ließ immer auch die Pflicht zur Gesunderhaltung, zur Leistungsfähigkeit im Ringen mit dem noch renitenten britischen Empire durchscheinen. Dass derweil die Vorbereitungen für den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion liefen, war den meisten noch nicht bewusst.

Werbung für Solo-Feinfrost und vitaminhaltige Gefrierwaren (Die Heimat am Mittag 1941, Nr. 60 v. 12. März, 8)

Die erste Saison 1940/41 war solide, zugleich Vorgeschmack auf mehr: Im noch nicht belieferten Wien gab es im Sommer 1941 bereits Probeessen „für einen ganz kleinen Kreis“. Kredenzt wurde „Karpfen in Butter mit Gurkensalat, Zwetschenknödel, Apfel- und Traubenkost…“. Ab Januar 1942 würde es so weit sein (Das Wunder der künstlichen Eiszeit, Völkischer Beobachter [Wien] 1941, Nr. 166 v. 15. Juni, 10). Markteinführung als versprochene Marktausweitung. In der Wirtschaftspresse resümierte man nüchterner: Eigentlich habe es sich noch um einen Großversuch gehandelt, nachdem 1939/40 bereits erste Firmen Kühltruhen aufgestellt und Gefrierware verkauft hätten. Ein Jahr später gäbe es reichsweit schon 700 Gefriertruhen. Die Konsumenten hätten „nach anfänglicher Scheu“ die auf unbekannte Weise produzierte markenfreie Ware „begierig aufgenommen“. Sie hofften auf „frische“ Ware, erhielten diese meist auch. Gleichwohl habe nicht immer die „versprochene allerbeste Qualität“ geliefert werden können. Doch das seien halt Anlaufschwierigkeiten einer noch jungen Industrie. Auch an den recht hohen Preisen gab es Kritik. Doch bei größeren Mengen würden die mindestens zwanzig Prozent teurere Ware gewiss billiger werden, sich mittelfristig auf dem Preisniveau hochwertiger Dosenware einpendeln. Dazu sei vielleicht auch eine Verringerung der Transportwege, eine weitere Kartellierung des Absatzes erforderlich (zuvor n. Die erste Saison, 1941). Die Erwartungen nach Ende der ersten Saison waren also hoch, mehr und billigere Waren standen an. Die bisherigen Hoffnungen hatten schließlich nicht getrogen.

Produktwerbung: Werbedominanz von Jopa-Tiefkühlung

So war die Erwartungshaltung an die zweite Saison 1941/42 durchaus groß: „In diesem Winter wird das Wort ‚Gefrierkonserve‘ in aller Munde sein“ (K. v. Philippoff, Gefrierkonserven, Wurzener Tageblatt 1941, Nr. 286 v. 29. November, 8). Sie wurde kaum dadurch gemildert, dass die Masse des Gefriergutes offiziell der Wehrmacht geliefert werden würde, „die übrigen Gefrierkonserven“ neuerlich „den Großstädten und Industrierevieren zugeleitet“ (Marktregelung für Gefrierkonserven 1941, Nr. 409 v. 13. August, 4). 1942 begann der Verkauf allerdings später, Ende Februar, Anfang März. Es galt, just in den letzten Wochen des Winters frisches Obst und Gemüse anzubieten; vielleicht lag diese Verlagerung aber auch an der immensen Belastung der Transport- und Versorgungssysteme durch den eben nicht erfolgreichen „Blitzkrieg“ im Osten, wo der Zusammenbruch der Wehrmacht nach dem Desaster vor Moskau nur mit immensen Mühen hatte vermieden werden können. In der Heimat schien man besser gerüstet, stand doch nunmehr in den Läden die dreifache Zahl der Gefriertruhen, etwas mehr als 2.000 (Gefrierkonservensaison, 1942). Das deutete nicht auf einen Angebotsrückgang hin, zumal die Obst- und Gemüseernten deutlich gesteigert werden konnten. Deutsche Ware stand nun neben den Erträgen der anlaufenden europäischen Verbundwirtschaft. Letztere sollte den Unterschied machen, die Konsummöglichkeiten und die Zahl der „Truhenstädte“ weiten, zudem die hohe Qualität garantieren. Die deutsche Landwirtschaft hatte seit jeher große Probleme bei der Lieferung von höherwertigem Obst und Gemüse. Die vor Beginn der NS-Zeit an ausländische Anbieter verlorenen Marktanteile waren auch eine begrenzte Konsumentenrebellion gegen fehlendes Feingemüse und gehobeneres Obst aus deutschen Landen.

Der Konsument als Endziel der Kühlkette (Von l. n. r.: Neues Wiener Tagblatt 1942, Nr. 67 v. 8. März, 12; Westfälische Landeszeitung [Castrop-Rauxel] 1942, Nr. 93 v. 4. April, 3; ebd., Nr. 106 v. 19. April, 8)

Einfacher umzusetzen waren Verbesserungen der Anzeigenwerbung. Hier tat sich der Gefrierkonzern Pankofer hervor, der den von Solo-Feinfrost begonnenen Weg zum Markenartikel konsequent fortsetzte. Parallel zum Ausbau der europäischen Großraumwirtschaft entstand ein auf höherwertige Auslandswaren zugeschnittenes Markenimage, das im Qualitätsdiskurs der Fachleute geschürt worden war. In der professionell gestalteten Werbung erschienen die Hauptfacetten der „Jopa-Tiefkühlung“.

Jopa-Tiefkühlkost-Werbung 1942 (Von l. n. r.: Westfälische Landeszeitung [Castrop-Rauxel] 1942, Nr. 86 v. 28. März; Hamburger Tageblatt 1942, Nr. 104 v. 16. April, 4 (l.); ebd., Nr. 106 v. 18. April, 8)

Da stand einerseits die vielgliedrige Kühlkette, Meisterwerk deutscher Wissenschaft und nationalsozialistischen Großraumdenkens. Die wirtschaftliche Erschließung der Auslandsmärkte materialisierte sich eben nicht nur in Gold, Devisen, Rohstoffen und Zwangsarbeitern, sondern auch in neuen Produkten auf deutschen Tischen. Anderseits aber kündete die Jopa-Werbung vom Vitaminreichtum, der Frische und dem hervorragenden Geschmack der Tiefkühlkost. Hochwertige Nahrung für ein Herrenvolk. Als im Mai der Verkauf beendet wurde, zeichnete man in der Presse die Gefrierkonserve als beliebte Ware. Sie „ist erwiesenermaßen der Dosenkonserve überlegen“ (Am Ende der Tiefkühlkette, Neues Wiener Tagblatt 1942, Nr. 125 v. 7. Mai, 5).

Produktwerbung: Jopas dominante Werbepräsenz 1943/44

Weg von der anonymen Ware: Markenartikel und Markenzeichen (Wiener Illustrierte 62, 1943, Nr. 20, 8 (l.); NS-Frauen-Warte 12, 1943/44, 131)

Ende 1942 endete die Markenfreiheit der Gefrierkonserven. Sie wurden Teil des Rationierungssystems. Dies resultierte nicht aus fehlenden Mengen, denn die Obst- und Gemüseernten konnten auch in der dritten Saison 1942/43 nochmals gesteigert werden. Grund waren nicht zuletzt die gegenüber Dosenkonserven weiterhin deutlich höheren Preisen. Zugleich aber hoffte man dadurch eine auch öffentlich konzedierte Skepsis gegenüber dem Gefriergut zu überwinden: Zahlreiche Hausfrauen „lehnen es ab, weil sie glauben, daß es kein vollwertiges Nahrungsmittel sei und Frischgemüse und -obst nur unvollkommen ersetzen könne“ (Tiefgekühlt – ebensogut wie frisch, Wittener Tageblatt 1943, Nr. 55 v. 6. März, 3). Generell sprach man jedoch vom besonderen Anklang der Tiefkühlkost – und dieser bestand, wenn man die teurere Ware kaufen wollte. Allein der 1938 arisierte Wiener Kolonialwarenhändler Julius Meinl vermerkte in seinen dreißig Filialen Vormerkungen für 75.000 Kunden (Völkischer Beobachter [Wien] 1943, Nr. 46 v. 15. Februar, 4). Gefriergut werde schließlich vielerorts „in größeren Quantitäten als im Vorjahr angeliefert“ werden (Tiefgekühltes Gemüse, Neues Wiener Tagblatt 1942, Nr. 333 v. 2. Dezember, 5). Bei lokalem Überangebot war es zudem möglich, auch mehr als das eine fest zugeteilte Kilogramm Gefrierware zu kaufen (Sortierung der Laufkunden, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 211 v. 25. April, 3).

1943 war wahrscheinlich das Jahr mit dem größten zivilen Absatz der Tiefkühlkost, nunmehr gab es reichsweit offiziell 8.000 Gefriertruhen. Die Anzeigendichte war größer als je zuvor. Jopa blieb Vorreiter, hatte den Weg zur Markenware nicht nur mit entsprechend ausgestatteten Verpackungen beschritten, sondern auch mit einem neuen Warenzeichen und einer Bildmarke, dem stilisierten Eiskristall. Die Anzeigen wurden neu gestaltet, die Zahl der Motive auf mindestens neun ausgeweitet. Zugleich sprach man nicht mehr allgemein von „Tiefkühlung“, sondern offerierte nun gezielt „Kühlkost“, baute also eine doppelte sprachliche Alternative zum „Feinfrost“ von Solo auf.

Wie handhaben? Einführende Anzeigen der zweiten Werbekampagne für Jopa-Kühlkost 1943 (V. l. n. r.: Fliegende Blätter 198, 1943, 139; Litzmannstädter Zeitung 1943, Nr. 84 v. 25. März, 6; Kölnische Zeitung 1943, Nr. 230 v. 8. Mai, 4)

Die Anzeigen dienten der Propagierung der neuen Tiefkühlkost, hatten aber auch spezifischere Aufgaben. Erstens gaben sie der Käuferin genauere Informationen im Umgang mit der Kühlkost: Verpackungshinweise lesen, Ratschläge gegen das rasche Auftauen befolgen, das Gefriergemüse direkt kochen, während man Gefrierobst auftauen lassen sollte, um es dann wie Frischware oder (falls in Zuckerlösung) Kompott weiter zu verarbeiten.

Präsentation einzelner Jopa-Produkte (Simplicissimus 48, 1943, Nr. 14, 215; Neuigkeits-Welt-Blatt 1943, Nr. 197 v. 22. August, 7; Kölnische Illustrierte Zeitung 18, 1943, 393)

Zweitens präsentierte man nunmehr auch einzelne Gefrierprodukte, insbesondere die Spitzenprodukte Erbsen und Erdbeeren. Erstere waren schon gedöppt, küchenfertig einsatzbar; letztere boten einen Hauch von Luxus (und Frühling) im Wintereinerlei. Parallel hob man die Hochwertigkeit der Kühlkost und ihren hohen Conveniencegrad hervor. Der NS-Staat befreite die Hausfrau von unproduktiver Hausarbeit, ein stetes Versprechen der Haushaltsrationalisierung.

Europäische Großraumwirtschaft für die deutsche Konsumentin (Das Kleine Frauenblatt 20, 1943, Nr. 10, 9; Kölnische Illustrierte Zeitung 18, 1943, 546; Der Neue Tag 1943, Nr. 154 v. 5. Juni, 4)

Drittens schließlich positionierte man die Jopa-Produkte als europäische Spitzenprodukte. Der deutsche Konsument erhielt Ware aus Frankreich, den Niederlanden, aus Bulgarien und Italien, hielt gleichsam Ernte im europäischen Garten. Die Indienstnahme ausländischer Ökonomien erhielt einen greifbaren Sinn, erschient als Lohn für den Einsatz, die alltägliche Leistungsbereitschaft.

Werbung auch im Querformat (Illustrierter Beobachten 18, 1943, Nr. 10, 9)

Es gab weitere Nuancierungen, den Wechsel von Hoch- und Querformaten, die Ergänzung von Einzeltexten und Variationen mit Firmennamen und Bildmarke. Werblich war dies gelungen – und die Motive wurden im Folgejahr, der vierten Saison, beibehalten. Während der nach Stalingrad Anfang 1943 offiziell ausgerufene „totale Krieg“ die Investitionsmittel schmälerte und den weiteren Ausbau der Gefrierwirtschaft ausbremste, führten die zunehmend spürbaren Kriegseinwirkungen und die schlechte Obst- und Gemüseernte 1944 zu einem geringeren zivilen Angebot. Trotz vereinzelter Produktinnovationen, etwa tiefgekühlten Beerenkonzentrate als Stärkungsmittel für Rekonvaleszente und Schwangere (Wiener Medizinische Wochenschrift 94, 1944, 170), blieb das Sortiment im Wesentlichen unverändert. Mochte die Wehrmacht auch an allen Fronten auf dem Rückzug sein, die Versorgungslage im Inneren blieb relativ stabil, da man die hierarchischen Kooperationen mit dem Ausland weiter fortführen konnte. Jopa-Kühlkost wurde mit weniger Motiven angezeigt, drei schon 1943 genutzten Anzeigen (Einkaufstasche, Innenverpackung und Fruchtschüssel) erfüllten jedoch den Werbezweck. Zugleich schaltete Pankofer gezielt repräsentative Anzeigen in Vorzeigepublikationen des NS-Staates, kündete so von der weiterhin hohen und kriegswichtigen Produktion der neuen Firma, der neuen Industrie. Wer wollte schon Hungerproteste wie 1917 erleben.

Kontinuierliche Werbebotschaft an repräsentativen Stellen (Das Reich 1944, Nr. 26 v. 25. Juni, 8 (l.); Große Deutsche Kunstausstellung, München 1944, Werbung, 1)

Die Begleittexte in den Tageszeitungen stützten dies, wenngleich eingebettet in die routinierten Formen der Rationierungswirtschaft. Mochte es sich bei der Tiefkühlwirtschaft auch um ein „Kriegskind“ handeln, so lägen ihre größten Zukunftsaussichten jedoch „im Frieden“ (Das fünfte Jahr der Gefrierkonserve, Hakenkreuzbanner 1944, Nr. 92 v. 3. April, 3). Die nunmehr etablierten Unternehmen würden dies garantieren. Parallel aber wies man die zunehmend vom Bombenkrieg gebeutelte Zivilbevölkerung und auch den weiter dienstfertigen Einzelhandel auf ihre Aufgaben hin. Es galt, die Kühlkette weiter aufrecht zu erhalten, „soll nicht der bisher gemachte Kühlaufwand vergeblich gewesen sein“ (Tiefkühltruhen auch in Herner Geschäften, Herner Zeitung 1944, Nr. 144 v. 22. Juni, 3). Die Schlacht um die letzten Gefriertruhen rückte näher.

Produktwerbung: Dezentrale Anzeigen 1941-1944 oder Grenzen der Markenwerbung der Großunternehmen

Der Fokus auf Solo und Jopa, auf die Markenartikelwerbung von 1941 bis 1944, darf allerdings nicht zu falschen Schlüssen führen. Jopa dominierte die Anzeigenwerbung, doch parallel warb auch der wichtigste Konkurrent, einnehmend mit eigenem Warenzeichen. Schließlich besaß Solo Pioniervorteile, zudem das größere Vertriebsnetz.

Gefrierkost als Angebot gehobener Lebensmittelgeschäfte (Der Neue Tag 1942, Nr. 54 v. 23. Februar, 10)

Auch Einzelhändler schalteten weiter Anzeigen. Nicht die Marke stand dabei im Mittelpunkt, sondern der noch mögliche markenfreie Einkauf. Feinkost- und gehobenere Kolonialwarenhändler konnten sich dadurch von der Durchschnittskonkurrenz abheben, der allgemeinen Nivellierung im Einzelhandel noch kurze Zeit entkommen.

Einkaufsvorteil Markenfreiheit (Neue Mannheimer Zeitung 1941, Nr. 43 v. 3. Februar, 8 (l.); Hallische Nachrichten 1941, Nr. 77 v. 1. April, 3)

Bemerkenswert war zudem die Kooperation der Gefrierindustrie mit leistungsfähigen Massenfilialbetrieben, wie etwa Kaiser’s Kaffeegeschäft oder Cornelius Stüssgen. Diese bevorzugten allerdings anonyme Angebote, wollten sich nicht zum Umschlagplatz von Markenware degradieren. Die vom NS-System vielfach übernommenen und strikt kontrollierten Konsumgenossenschaften verkauften ebenfalls anonyme Tiefkühlkost, allerdings keine aus Eigenproduktion. Sie hatten schon zu Beginn der 1930er Jahre die amerikanischen Entwicklungen genauestens beobachtet (Erich Kraemer, Gefrorene Lebensmittel, Konsumgenossenschaftliche Rundschau 28, 1931, 171-173, 196-197, 216-218) und sahen in der Gefriertechnik eine willkommene Ergänzung ihrer eigenen Dosenkonservierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Westen insbesondere nach dem Kauf einer eigenen Fabrik in Wiesloch 1955, sollten die Konsumgenossenschaften für einige Jahre zum Vorreiter der bundesdeutschen Tiefkühlindustrie werden (Hermann Flick, Tiefgekühlte Lebensmittel in den Konsumgenossenschaften, Der Verbraucher 13, 1959, 228-230).

Vertrieb durch Massenfilialbetriebe: Gefrierkonservenangebot bei Kaiser’s Kaffee-Geschäft (Neue Mannheimer Zeitung 1941, Nr. 43 v. 3. Februar, 9)

Tiefkühlkost war – bei vorhandener Gefriertruhe – zudem eine Warengattung, die sich in das gängige Sortiment einfügte. Die neue Technik konnte schließlich abseits der Gefriersaison für die Kühlung von Milchprodukten, Fleischwaren, Wein und Flaschenbier genutzt werden. Die großen Verkaufsmöbel waren auch abseits des späten Winters Ausdruck einer beginnenden Umgestaltung der Läden.

Gefrierkost als Sortimentsbestanteil (Wittener Tageblatt 1943, Nr. 80 v. 22. Juli, 4 (l.); Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 80 v. 21. März, 7)

Bei ihnen aber dürfen wir nicht stehenbleiben. Tiefkühlkost war nämlich nicht nur bei den ersten Verkostungen 1939 ein Aperçu auch der Restaurantküche und der im Handel integrierten Gaststätten (Tiefgekühltes Mittagessen – Kulinarische Überraschungen, Hamburger Fremdenblatt 1940, Nr. 328 v. 28. Oktober, 5). Feinfrost- und Kühlkostwaren repräsentierten ein gehobenes Speisenangebot – und Köche präsentierten zeigestolz den Umgang mit gefrorenen Rohwaren. Nicht nur Gemüse und Obst, sondern auch Fischfilets und „blutfrischer“ Feinfrostkarpfen zeugten von der repräsentativen Qualität des Neuen, die man sich schmecken ließ, zugleich aber auch gern mit anderen teilte (Karpfen in der Tüte, Westfälische Landeszeitung [Castrop-Rauxel] 1941, Nr. 334 v. 3. Dezember, 5).

Gefrierkost als Speisenbestandteil in Gaststätten (Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 80 v. 21. März, 7; Schlesische Sonntagspost 1941, Nr. 5 v. 2. Februar, 10)

Faszination und Realität der Kühlkette

Die Werbung für Tiefkühlkost lässt sich nicht auf die Endprodukte reduzieren. Die neuen Waren wurden als Teil von etwas Größerem vermarktet, dem Aufbau einer neuen Industrie, erst deutsch, dann auch europäisch. Sie etablierten eine „Kühlkette“, begrifflich in den Debatten der Fachleute seit den späten 1920er Jahren etabliert, nach dem Vierjahresplan als Alltagsbegriff verankert. Das Konzept selbst ist älter, schon 1914 präsentierte der amerikanische Praktiker A.M. Mortensen „Betrachtungen über die Notwendigkeit einer umfassenden Organisation der Transportgesellschaften für durchgehende Beförderung verderblicher Waren vom Herkunfts- und Produktionsort nach den Konsumzentren, einschliesslich Verteilung der Waren sowie des Rechts der Ueberführung oder Weiterversendung von einem Markt zum andern“ (Die Kälte-Industrie 11, 1914, 202-204). „Kühlkette“ war griffiger, allerdings irreführend. Denn es ging um eine Gefrierkette, um wesentlich tiefere Temperaturen als die für Butter, Speisefett und Gefrierfleisch erforderliche Kühlung. Zwanzig zusätzliche Grad Celsius. Heute ein Knopfdruck, damals ein Quantensprung. Rudolph Plank (1886-1973), russischstämmiger Doyen der deutschen Kältetechnik, war sich noch 1940 sicher, dass diese Gefrierkette kaum möglich sei, denn „im Augenblick wird ein solcher Spezialwagenpark bei uns kaum zu schaffen sein“ (Neue Lebensmittel- und Kältetechnik, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 47 v. 27. Januar, 4). Gleichwohl war die Kühlkette werblich unverzichtbar, denn die Utopie des großen Ganzen, des Zusammenwirkens der kleinen dezentralen Einheiten, war nicht nur bei Ingenieuren üblich, sondern gerade auch in einer Gesellschaft des „Du bist nichts, Dein Volk ist alles“. Prozessanalysen wurden damals üblich, Schwachstellenanalysen möglich, erdacht, gepflegt, zum Normalen erklärt. Die Ubiquität von HACCP-Analysen und Wertschöpfungsketten-Analysen unterstreicht ihre bis heute währende Unverzichtbarkeit.

Die „Kühlkette“ zielte auf die einheitliche Koordinierung miteinander verzahnter Sektoren, also der Durchbrechung von aus dem 19. Jahrhundert stammenden Einheitsphantasien wie „Landwirtschaft“, „Industrie“, „Transport“ und „Handel“. Ziel war „die Herstellung einer qualitativ hochwertigen Ware“ und das bedeutete Arbeit und Wandel vom Feld bis zum gedeckten Tisch: „Sie beginnt bei dem Anbau, wo nur das vollkommen einwandfreie, qualitativ hochwertige Frischerzeugnis, sei dies nun Fisch, Fleisch, Gemüse oder Obst, sofort nach Fang, Schlachtung oder Ernte Verwendung finden darf. Der Gefriervorgang selbst muß mit größter Sorgfalt hinsichtlich Vorbereitung des Gefriergutes – Zerteilen, Blanchieren, Verpacken – durchgeführt werden. Die Lagerung selbst muß bei absolut konstanten, tiefen Temperaturen, die für die einzelnen Kühlgüter vorgeschrieben werden, stattfinden. Der Transport, entweder vom Gefrierapparat zum Kühlhaus oder vom Kühlhaus zum Verteiler, findet in isolierten Spezialgefäßen oder Spezialwaggons oder Spezialautos statt. Der Großverteiler bekommt Gefriertruhen geliefert, in denen das Produkt bis zur Abgabe an den Verbraucher weiterhin gefroren lagert, und letzten Endes wird in Zukunft auch der kleinste Verbraucher einmal einen Kühlschrank besitzen, in dem er das Gefriergut noch etwas lagern kann, wenn er es nicht zum sofortigen Verzehr bestimmt hat“ ([Lieselotte] Scupin, Die Zukunft der Gefrierkonserve, Gartenbauwirtschaft 57, 1940, 6). Das war ein faszinierendes Aufgabenfeld, erforderte den Gleichklang der Interessen, des Wollens, der Handlungen. Die Volksgemeinschaft im Richt-Euch!

Die Erdbeere in der Tiefkühlkette (Mosolff (Hg.), 1941, Tiefkühl ABC, 19)

Das öffentlich präsentierte, über Zeitungen und Illustrierte einfach zugängliche Bildmaterial war allerdings in Sequenzen aufgeteilt, denn Einheitlichkeit war schwer herzustellen, zumal bei vier nicht nur kooperierenden, sondern auch miteinander konkurrierenden Gefrierkonzernen, bei unterschiedlichen Techniken und heterogenen lokalen Bedingungen. „Kühlkette“ bündelte jedoch Einzelbilder, so wie der Führerwille das Volk. Und so gaben die veröffentlichten Bilder nicht nur präzise und/oder propagandistische Einblicke in die Praxis der Gefrierindustrie, sondern schufen auch ein Bild des Ganzen im Bewusstsein des Betrachters. Sachliche Richtigkeit erhöhte die Wirksamkeit, war Teil der Werbung, der Propaganda.

Säuberung von Blattspinat vor der Tiefkühlung (Der Südosten 21, 1943, Nr. 5, 11)

Die Bildreportagen setzten gemeinhin mit der Rohware ein, nicht mit der ansonsten gern präsentierten bäuerlichen Arbeit: „Die Erzeugnisse werden von der Anbaufläche zur Konservenfabrik gebracht. Hier wird das Gemüse und Obst in der üblichen Weise gereinigt, geputzt, geschnitten und was sonst zur küchentechnischen Herrichtung gehört. Dann ist das Gemüse kurz vorzukochen, damit die Fermente, die auch bei niederen Temperaturen gewisse chemische Umsetzungen – Farb-, Geruch- und Geschmacksveränderungen – bewirken können, unwirksam gemacht werden“ ([Helmut] Schieferdecker, „Die Kühlkette“, Gartenbauwirtschaft 59, 1942, Nr. 1, 2). Dergestalt erklärt, wurden einfache Brauseköpfe zur Beseitigung der anhaftenden Erde zu etwas anderem, zum reinigenden Vorspiel der Transformation.

Frauenarbeit am Band: Vorbereitung von Blattspinat, Verpackung des Gefriergutes (Der Südosten 21, 1943, Nr. 5, 10)

An den Transportbändern war Frauenarbeit üblich, beim Waschen, insbesondere bei der Verpackung des Gefriergutes. Männer dienten als Zwischenglieder, bei kräftiger Arbeit, vor allem aber beim Bestücken der Plattenfroster, zudem bei der nicht im Vordergrund stehenden Wartung und Reparatur, auch beim Fahren der großen Wagen, dem Rangieren der Waggons. Gezeigt wurde Handarbeit, auch wenn Ingenieure diese möglichst beseitigen wollten.

Vorverpackung von Fischen, Abwiegen von Beerenobst (Kölnische Illustrierte Zeitung 17, 1942, 128 (l.); Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 212 v. 2. August, 5)

Der Blick auf die mechanisch arbeitenden Frauen erlaubte noch den Blick auf die Rohware, auf das zum Gefrieren vorbereitete Gut. Das Bild der Hausfrau, der sorgenden Mutter mochte mitschwingen, doch der Betriebsalltag forderte mehr. Blicken wir in einen Solo-Feinfrost-Betrieb nah bei Hannover: „Sauber, appetitlich frisch liegen die Schnippelbohnen in den hübschen Kästchen aus wasserabstoßendem Material, jede Packung genau auf volles Gewicht des Inhalts geprüft. Flinke Frauenhände legen Manschetten um die Packungen, falten Zellophanhüllen darüber, und dann wandern die Kästchen mit den ‚kochfertig‘ zubereiteten Bohnen in große Kühlschränke hinein, um darin auf minus 38 Grad Celsius ‚feinfrost‘ eingefroren zu werden. In mächtigen Kühlzellen, in denen insgesamt etwa 10 bis 12 Tonnen Feinfrostgemüse gelagert werden können, verlebt unsere ‚Prinzeß‘ eine kurze Uebergangszeit, um dann als stille Reserve für Mutters Kochtopf in die Kühlhäuser der Großstädte gebracht zu werden“ (G.A. Mulach, Im Reiche der ‚Doppelten Prinzeß‘, Hannoverscher Kurier 1941, Nr. 220 v. 10. August, 6).

Das Ideal des vollautomatisch erfolgenden Schnellgefrierens: Das von Linde-Borsig verbesserte Heckermann-Verfahren (Heiss et al., 1942, 26)

Derartige Bilder (und Begleittexte) zielten nicht auf die Strukturen des Gefrierprozesse, sondern knüpfen an haushälterische Logiken an, denn diese waren den Leserinnen und späteren Käuferinnen bekannt. Parallel gab es zahlreiche abstrahierende Schaubilder, in Wissenschaftsillustrierten, insbesondere aber in der Fachliteratur. In den Fachbüchern fehlten allerdings die Menschen, stand die Maschine im Mittelpunkt. Menschen sind fehleranfällig, Maschinen funktionieren. Das spiegelte sich in den vielen Arbeiten zum Heckermann-Verfahren, denn dieses ermöglichte eine kontinuierliche Produktion. Die Maschine wurde bestückt, Vorverpackung war nicht erforderlich, das Gefriergut wurde herausgenommen, in Form gebracht, zersägt, portioniert.

Bestückung eines Plattenfrosters mit Gefriergut und Abpacken in Verkaufsverpackungen (RGA-Illustrierte 1941, Nr. 1 v. 4. Januar, 2 (l.); Velberter Zeitung 1940, Nr. 351 v. 19. Dezember, 7)

Beim Birdseye-Verfahren war Vorverpackung und Einzelbestückung erforderlich, nicht umsonst sprach man auch von „Kälte-Bäckerei“. Der Froster wies Temperaturen von -35 bis -40 °C auf, denn bei diesen Temperaturen wurde das Gewebe, die Zellstruktur nicht zerstört, blieb stabil bis zum Aufbrechen des Gefrierpanzers. In der Presse hieß es flotter: „Nach der Vorbereitung geht die Arbeit des Gefrierverfahrens am laufenden Band. In mit Pergamentpapier ausgelegte Kartons wird das Obst oder Gemüse eingefüllt und genau abgewogen. Zwetschen erhalten als Beigabe eine Zuckerlösung, damit sie als Kompott usw. sofort gebrauchsfertig sind. Die Kartons werden am laufenden Band verschlossen, erhalten noch eine Cellophanumhüllung und wandern dann zu großen Gefrier- oder wie man auch sagt Tiefkühlapparaten, die je 720 Kilo Großpackungen oder etwa 500 Kilo Kleinverpackungen aufnehmen. In zwei- bis dreieinhalb Stunden geschieht bei 32 bis 40 Grad das Einfrosten“ („Durch Feinfrost zur Feinkost“, Anzeiger und Tageblatt [Bad Oeynhausen] 1940, Nr. 268 v. 14. November, 4).

Sicherung der Kühlkette: Tiefkühltruhe und transportable Tiefkühlzellen (Neue Mannheimer Zeitung 1941, Nr. 43 v. 3. Februar, 8)

Die Gefrierkonserven wurden nun umgeladen, Kunsträume der Kälte bargen sie, bewahrten sie bis zum konsumtiven Endzweck. Risiken lauerten bei Unterbrechungen, beim Umladen. Unterschiedliche Transportmittel wurden ersonnen und erprobt, vielfach pragmatisch agiert, denn optimale Lösungen kosteten, waren im Wettbewerb mit dem Rüstungsbedarf kaum erreichbar: „Auf nahe Entfernungen, vom Kühlhaus zur Kühltruhe des Einzelhändlers in derselben Stadt soll der gewöhnliche Lieferwagen genügen. Für größere Entfernungen werden Kühlwagen und Waggons mit Trocken- oder eutektischem Eis, aber auch der Altek-Wagen verwendet. Dabei scheint der Kraftlastwagen wegen seiner niedrigeren Kosten bevorzugt zu werden“ (Kühldienst für Lebensmittel, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 267 v. 28. Mai, 4). Deren Zahl war allerdings begrenzt, ebenso die Gefrierflächen in den Kühlhäusern.

Beweglichkeit durch Gefriercontainer: Solo-Feinfrost-Transporter mit Dreiachsanhänger von Brown, Boveri & Cie. sowie Universal-Tiefkühlbehälter von Kässbohrer (Mosolff (Hg.), Aufbau, 1941, 106 und 98)

Gleichwohl durften diese Zwischenelemente nicht fehlen, denn sie spiegelten das Bild einer mobilen Industrie, mochte die Tiefkühlkost auch gemeinhin über Monate stillstehen, bis hin zum finalen Transport in den Laden. Dort warteten Gefriertruhen, gern gezeigt, doch „noch nicht bis zum letzten ausprobiert“ (Wirtschaftsfragen im Lebensmittel-Handel, Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 111 v. 22. April, 5).

Der Einzelhändler als Bediener der ladengebundenen Gefriertruhe (Hannoverscher Kurier 1941, Nr. 84 v. 5. März, 6) (l.); Aushändigung der gewünschten Ware (Kölnische Illustrierte Zeitung 17, 1942, 128)

Nun endlich sah sich die Leserin in ihrer Sphäre, adrett gekleidet in damaliger Mode, umzirzt von Verkäuferinnen in ihren unverzichtbaren Kitteln. Die Bildreportagen blendeten die Zwischenprodukte aus, tiefgefrorene Pulpen, Fruchtfüllungen, Getränkekonzentrate, zunehmend üblich in Bäckereien und Abfüllereien, vom Kunden nicht als Gefriergut wahrgenommen. Stattdessen erklang das Loblied der neuen Waren: „Wir sehen sie im Laden stehen, eine schmucke, weiße Truhe, hinter deren isolierten Wänden eine Temperatur von minus 35 Grad Celsius herrscht. Der Verkäufer öffnet mit einem Griff die Klappen: ‚Was darf es also sein, Obst oder Gemüse? Uebrigens können Sie auch kochfertigen Fisch bekommen…‘ Unsere Hausfrauen werden einem neuen Werbespruch ihre Aufmerksamkeit schenken müssen: ‚Gemüse erntefrisch auch im Winter auf den Tisch!‘ Freilich, muß man bei der Verwertung von Obst ein bißchen Geduld haben. Man kann die Früchte nicht gleich auf der Zunge zergehen lassen, denn bei normaler Zimmertemperatur dauert das Auftauen etwa vier Stunden. Schneller ist das Gemüse tafelfertig, weil es am besten im gefrorenen Zustand ins kochende Wasser gegeben oder gedämpft wird“ (Hannover, 1941).

Gute Ratschläge für den richtigen Umgang mit dem Gefriergut (Hans Mosolff (Hg.), Tiefkühl ABC, Hamburg 1941, 26)

Noch war Gefriergut erklärungsbedürftig, doch Anzeigenwerbung, Zeitungsartikel, Ratgeber und auch Beratung durch die NS-Frauenschaft wiesen den richtigen Weg. Der Rest würde sich im Gespräch zwischen nicht nur blonden Hausfrauen regeln, denn Novitäten waren wohl spannender als die Fährnisse der Kinderlandverschickung, Luftschutzdienste, Klagen über die stetigen Sammlungen. Und zu anderem schwieg man lieber, schaute weg; Erdbeeren im Winter, lecker!

Geöffnetes Gefriergut (Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 212 v. 2. August, 5 (l.); Hans Mosolff, Der Aufbau der deutschen Gefrierindustrie, Der Vierjahresplan 5, 1941, 600)

In der Tat: Die Bildberichte erlaubten den Blick just auf die Ware, sollte frau doch wissen, was in den weißen Papp-Packungen zu erwarten war. In wenig Reif überzog das Gefriergut, doch schon kurze Zeit später war es nutzbar, würde schmecken.

Umgang mit tiefgefrorenen Kartoffeln und Eiern (Margriet 1942, Nr. 5, 6)

Auch dazu gab es Anleitungen, die Fragen zu fehlenden Haushaltsgefriertruhen allerdings kaum erörterten. Die Hoffnungen auf den Volkskühlschrank waren bereits zerstoben, bei Kriegsbeginn gab es im mächtigen Deutschen Reich lediglich 250.000 Elektrokühlschränke. Dem galt es sich anzupassen: „Da die Haushaltungen nicht in der Lage sind, das Gemüse richtig aufzubewahren (selbst der gewöhnliche Eisschrank und Kühlschränke reichen nicht aus), ist es also unmöglich, die Feinfrostgemüse im Haushalt zu lagern. Jeder Haushalt kaufe deshalb nur die Menge, die er tatsächlich schnell verbrauchen kann“ (Tiefgefrorenes Obst und Gemüse, Litzmannstädter Zeitung 1943, Nr. 72 v. 13. März, 4). So hieß es in Litzmannstadt, der aufstrebenden Metropole im Osten – in den deutschen Wohnquartieren, nicht im nahegelegenen Ghetto, in der Saison zuvor Hauptlieferant des KZ Kulmhof, doch immer noch zeitweiliger Bewahrort preiswerter Arbeitskräfte.

Gefrierkost als Teil einer nationalsozialistischen Konsumgesellschaft

Erhöhen wir am Ende dieser Analyse der Werbemittel nochmals den Abstraktionsgrad. Denn Werbung für Gefrierkost blieb nicht beim Produkt stehen. Sie traf Aussagen über die Konsumwelt der Gegenwart, über die Hoffnungen auf die kommende voll ausgebildete nationalsozialistische Konsumgesellschaft – oder sollte man im Sinne der Sprache der Zeit nicht besser von einer Konsumgemeinschaft reden? Gefrierkost stand für die Leistungsfähigkeit des NS-Regimes in der Gegenwart, zugleich aber für die Zukunftsvorstellungen von Funktionseliten und Volk. Warum sonst hätte man während des Krieges mit dem Aufbau einer so komplizierten und kapitalintensiven Industrie beginnen können? Dieser Ausgriff auf die Zukunft war nicht allein hilfreich, um bestehende Probleme kleinzureden. Es ging in zahlreichen Zeitungsartikeln just um die anvisierte Utopie eines NS-Regimes im Frieden. Über das bestehende, vom Krieg in Anspruch genommene, mit Makeln versehene könne, ja müsse man reden. Doch am Beispiel der neuen Tiefkühlkost wurde auch über das nach dem Sieg sich etablierende Großreich sinniert, mächtig, prosperierend, ohne Mangel, voller Optionen. Lebensmittel würden erntefrisch sein, die saisonale Enge durchbrochen.

Innovationsversprechen Gefrierkonserve: Vorbote der kommenden Konsumgesellschaft (Merseburger Zeitung 1940, Nr. 264 v. 24. September, 7)

Diese nationalsozialistische Konsumgesellschaft würde die bisherigen sozialen Schranken durchbrechen, den Lebensstandard erhöhen, dem einfachen Bürger das bieten, was zuvor nur wenigen vorbehalten war: „In Zukunft wird man also auch im Winter frischen Spargel, frische Erdbeeren und frischen Gurkensalat auf dem Tisch bringen können“ (Fische, Obst, Gemüse zu jeder Tageszeit frisch auf den Tisch, Anzeiger und Tageblatt [Bad Oeynhausen] 1940, Nr. 232 v. 3. Oktober, 4). Es ging um Teilhabe an den materiellen Möglichkeiten der Welt, schon jetzt in kleinen Packungen symbolisch greifbar, doch die „vollständige Vollendung“ werde folgen (Wenn es Fisch zu kaufen gibt…, Westfälischer Beobachter 1942, Nr. 355 v. 29. Dezember, 3). Nach dem Sieg werde sich der „Tisch mit selbst in Vorkriegszeiten nicht erträumten Genüssen decken (Tiefkühltruhen auch in Herner Geschäften, Herner Zeitung 1944, Nr. 144 v. 22. Juni, 3). Jeder würde mitgenommen, keiner zurückgelassen: „Auch der kleinste, mit den bescheidensten Mitteln ausgestattete Haushalt wird sich den Auswirkungen der Gefrierkonserven auf seine Wirtschaftsführung nicht mehr entziehen können“ (Europäische Lebensmittel-Kühlkette im Werden, Bremer-Zeitung 1944, Nr. 159 v. 11. Juni, 7). Vieles sei bereits geschehen, mehr werde folgen: „Hunderttausende Einzelhandelsgeschäfte warten bereits auf Gefriertruhen“ (Die Gefrierkonserve im Vormarsch, Gartenbauwirtschaft 57, 1940, Nr. 40, 4). Gewiss, das waren Versprechungen, ungedeckte Schecks auf die Zukunft. Doch sie gründeten auf Bestehendem – und der überbrückende Rest erfolgt im Kopf des Lesers, der Käuferin.

Gefrierkonserven als Abglanz einer neuen Konsumwelt: Schlagzeiten 1940/41 (Von oben n. unten: Anzeiger und Tageblatt 1940, Nr. 232 v. 3. Oktober, 4; Westfälische Tageszeitung 1941, Nr. 32 v. 2. Februar, 10; Völkischer Beobachter [Wien] 1941, Nr. 166 v. 15. Juni, 10; Westfälische Tageszeitung 1941, Nr. 350 v. 19. Dezember, 5)

Glaubwürdigkeit gewannen derartige Konsumszenarien aber nicht nur anhand der bestehenden Angebote. Sie standen eben für mehr, schon zu Kriegszeiten. Da war erstens ihre Modernität, die darin eingebettete Vorstellung von technischem Fortschritt. Alles Neu hieß es bereits im Blick auf die konkurrierenden Konservierungsverfahren: „‚Weckgläser‘ und ‚Konservendosen‘ sind zwar auch heute noch durchaus neuzeitliche Erscheinungen, aber erst die moderne Gefriertechnik, die in der jüngsten Zeit von deutschen Fachleuten vervollkommnet wurde, ist in der Lage, das Problem zu lösen“ (Die Gefrierfibel, Westfälische Zeitung 1940, Nr. 157 v. 6. Juli, 11).

Neuartige Verpackungen: Gefrierkonserven in Papp-, Spezial- und Zellglaskartons (Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 663 v. 29. Dezember, Technik und Betrieb, 2)

Das Neue des Neuen unterstrichen auch die Verpackungen der Tiefkühlkost. Sie waren nicht nur Spielwiese von Verfahrenstechnikern und Werkstoffspezialisten, sondern fühlten sich in der Tat anders an, sahen anders aus als gängige Dosen, Nährmittel- und Trockenwarenumhüllungen (vgl. Neue Konservendosen, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 237 v. 11. Mai, 5; Johannes Hoffmann, Wandlung des Werkstoffes Papier, Frankfurter Zeitung 1941, Nr. 663 v. 29. Dezember, Technik und Betrieb, 2 sowie allgemein Spiekermann, 2018, 458-465). Sie waren leicht, funktional, stapelfähig, innen beschichtet, mit Cellophan ausgelegt. Flüssigkeits- und Obstverpackungen waren mit Leichtmetall verstärkt, standen aufrecht, Zellglas gab ihnen eine knisternde Aura.

Zweitens war Gefrierkost neu, galt als „Volksnahrungsmittel zu gleichblei­benden gerechten Festpreisen während des ganzen Jahres“ (Mosolff, 1940, 142-143). Während tradierte Lebensmittel immer auch den Büttel der überwunden geheißenen Klassengesellschaft mit sich trugen, wie Butter und Margarine zwischen Bürgern und Arbeitern schieden, sei es nun möglich, eine Innovation gerecht auszugestalten, mit erschwinglichen Preisen für alle. Wer arbeite, solle auch essen. Die Preise waren noch hoch, doch der Fortschritt führe zu Gerechtigkeit: „Die Zeit geht weiter, die Erfinder sorgen für den Fortschritt!“ (Hannover, 1941)

Drittens besaß Tiefkühlkost auch eine volksbiologische und rassistische Komponente. Sie sei Vorzugsspeise, Augenweide, erlaube die Pflege der leistungsfähigen Deutschen, die Hege der kommenden Geschlechter: „Unabhängig von der Jahreszeit macht es die Tiefkühlung werdenden und stillenden Müttern möglich, ihre Ernährung vielseitiger und hochwertiger zu gestalten, was für Mutter und Kind von unschätzbarem Nutzen ist. Ein Volk kann mit Tiefkühlung gesünder und leistungsfähiger werden als es ihm sonst sein Lebensraum erlauben würde, denn ihm steht die Möglichkeit offen, sich hochwertige und insbesondere vitaminreiche Erzeugnisse an Obst und Gemüse aus klimatisch günstigen Nachbarländern mehr als bisher nutzbar zu machen“ ([Franz G.M.] Wirz, Tiefgekühlte Lebensmittel sind die besten Diener der Gesundheit, in: Mosolff (Hg.), Tiefkühl ABC, 1941, 3-4). „Erntefrische“ bedeutete ausreichend „Wirkstoffe“, um die höherwertigen Erbanlagen voll ausbilden zu können.

Die Antizipation einer kommenden nationalsozialistischen Konsumgesellschaft war einfacher fortzusetzen als in der Anzeigenwerbung und Bildreportagen. Sie war Fiktion, die Glauben erforderte, aber auch Kräfte weckte. Sie sprach unterschwellig von den Belohnungen nach dem Sieg, über den Sinn der Entbehrung, der Anstrengungen und Opfer. Ein kommunikativer Strohhalm, an dem man sich klammern konnte, wenn man denn wollte. Im kriegsverwüsteten Hamburg verwies man noch kurz vor Weihnachten 1944 getreu auf „tiefgreifende wirtschaftliche, ernährungsphysiologische und gastronomische Wandlungen“ (Hamburger Anzeiger 1944, Nr. 134 v. 6. Dezember, 2) durch die Gefrierkonserven. Objektiv ebbte die Werbung in allen drei Formen mit der Integration der Tiefkühlkost in das Rationierungssystem 1943 langsam ab. Da es nicht gelang, die Absatzmengen plangemäß auszuweiten, damit die Preise zu verringern und das neue Angebot als „Volksnahrungsmittel“ zu verankern, glich die bis Ende 1944 weiter präsentierte Werbewelt eher der schon seit 1942 vielfach üblichen Erinnerungswerbung. Doch sie war zugleich, rigiden Werberestriktionen und der wachsenden Papierknappheit zum Trotz, bis Mitte 1944 alltagspräsent. Die 1944 eingefrorenen Bestände konnten 1945 allerdings nicht mehr geordnet ausgeliefert werden.

Werbung, Propaganda und die Frage nach der „Realität“ der Tiefkühlkost

​​Es ist notwendig, die Selbstbilder der nationalsozialistischen Konsumgesellschaft zu aus analytischen Gründen zu rekonstruieren. Nur so kann diese Zeit, können die Träger dieses Aberwitzes abseits der einfachen Verführungsnarrative verstanden werden. Doch es ist auch zugleich Aufgabe der Analyse, die Brüche bereits im zeitgenössischen Diskurs über Tiefkühlkost und die bestehenden Problemlagen der Gefrierindustrie aufzuzeigen. Das ist möglich, war angesichts der hier gewählten Quellen auch damals möglich. Zuvor aber ist es erforderlich, das Geschehen ansatzweise zu quantifizieren, um zumindest graduelle Aussagen über die Bedeutung der Gefrierindustrie und ihre Stellung im Versorgungsalltag treffen zu können.

Quantitative Angaben auf teils wackeligen Beinen

Festzuhalten ist erstens, dass die „Kriegserzeugungsschlacht“ zu einem massiver Bedeutungsgewinn des Gartenbaus während des Zweiten Weltkrieges führte.

Die Rohstoffgrundlage für die Gefrierindustrie wurde damit deutlich erweitert. Die Gemüseernten stiegen von 4,6 Mio. Tonnen 1939/40 auf 8,5 Mio. Tonnen 1942/43, sanken in der Folgekampagne auf 7,0 Mio. Tonnen, um dann wieder anzusteigen (Kurt Häfner, Materialien zur Kriegsernährungswirtschaft 1939-1945, s.l. s.a. (Ms.), Kap. Entwicklung der Versorgung mit den wichtigsten Nahrungsmitteln, 27). Unter Einberechnung der Kleingärtenerträge und der nicht unbeträchtlichen Einfuhren, angesichts der um fast neun Millionen gestiegenen Zahl verpflegungsberechtigter Menschen, ergab sich ein Jahresverbrauch von 1939/40 50, 1941/42 60, 1943/44 etwa 70 und 1944/45 77 Kilogramm (Ebd., 23). Bei Obst gab es witterungsbedingt größere Schwankungen: 1939 und 1943 gab es gute, 1940 bis 1942 geringe und 1943 eine mittlere Ernte. Etwa die Hälfte der Erträge wurde über das Rationierungssystem verteilt. Der geschätzte Prokopfkonsum betrug 1939/40 49, 1941/42 23 und 1944/45 31 Kilogramm (Ebd., 28, 24). Der Gefrierindustrie standen also stark wachsende Mengen an Rohware zur Verfügung. Angesichts der relativen Stagnation der Produktion ab 1942/43 spiegelt diese die Qualitätsprobleme des deutschen Gartenbaus, den Übergang insbesondere zu Massenware und die objektiv nur geringe Bedeutung der Gefrierkonservierung für die landwirtschaftliche Branche.

Deutsche Tomaten (als Mark gefrierfähig), deutscher Feldsalat (nicht gefrierfähig), farbig eingefangen (Deutscher Garten 58, 1943, 75 (l.), 51)

Zweitens: Die Einführung der Tiefkühlkost war Teil einer allgemein zunehmenden Bedeutung von konserviertem Obst und Gemüse. Die höchsten Steigerungsraten wies die Trocknungsindustrie auf, während die Dosenkonservierung insgesamt dominierte. Gefrierkonserven gewannen nicht unerhebliche Anteile, die aber vor allem auf fehlende Konservendosen zurückzuführen waren.

Die Produktion von Obst- und Gemüsekonserven stieg von 1932 82 Mio. Kilogrammdosen auf 1939 fast 200 Mio. Stärker noch legten die Produktionsmengen von Trockengemüse, Süßmost/Fruchtsaftgetränken und Frucht- und Mischmarmeladen zu (Mehr Gemüse und Obstkonserven, Frankfurter Zeitung 1939, Nr. 235 v. 10. Mai, 3). Der Anteil der Tiefkühlkost am Konservierungsmarkt betrug 1940 etwa ein Sechstel bis ein Fünftel (Control over Occupied Territories improves economic Position of the Reich, Chemical & Metallurgical Engineering 47, 1940, 500-502, hier 501). Bis 1943 stieg der Anteil an der konservierten Rohware allerdings auf mehr als ein Drittel (Wo bleibt das Gemüse?, Der Oberschlesische Wanderer 1943, Nr. 181 v. 4. Juli, 6).

Plandaten im lockenden Schaubild (Stuttgarter NS-Kurier 1940, Nr. 308 v. 7. November, 8)

Drittens: Für eine solide quantitative Bewertung der Gefrierindustrie fehlen die verlässlichen Quellen. Die britischen und einheimischen Schätzungen belegen allerdings eine kontinuierliche Produktion, die noch 1944 bei knapp einem halben Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung gelegen haben dürfte.

Nach technischer Erprobung 1937/38 wurde 1939 auf niedrigem Niveau mit der Pro­duktion von Tiefkühlkost begonnen. 1940 dürften ca. 22.000 Tonnen Gefriergüter produziert worden sein, davon 14.000 Tonnen Obst und Gemüse, sowie 7.000-8.000 Tonnen Fisch (Mosolff (Hg.), 1940, Aufbau, 17). Parallel wurden auch 25.000 Tonnen genannt (Gartenbauwirtschaft 57, 1940, Nr. 40, 4). Damals waren etwa 100 Tiefgefrierappa­rate im Einsatz, von denen 74 in 27 Dosenkonservenfabriken aufge­stellt wurden (Etwas über die deutschen „feingefrorenen“ Nahrungsmittel, Braun­schweigi­sche Konserven-Zeitung 1942, Nr. 29/30, 7-8, hier 8). Ihre Kapazität betrug täglich 200 bis 800 Tonnen (Gefrorene Nahrungsmittel, Frankfurter Zeitung 1940, Nr. 380 v. 28. Juli, 4). Die Zielmargen für 1942 lagen bei 120-150.000 Tonnen (Die Gefrierkonserve im Vormarsch, Gartenbauwirtschaft 57, 1940, Nr. 40, 4). 1943 sollten mehr als 200.000 Tonnen aus (Ebd., 8).

Die Zahl der Gefriertruhen, ein zentraler Indikator für den Zivilverkauf, soll zu Beginn der Kampagne 1940/1941 etwa 1.000 betragen haben, im Frühling 1942 ca. 2.500, Ende 1942 ca. 6.000 und zu Beginn des Verkaufs 1943 etwa 8.000 (Gelenkter Ausbau der Gefrierkonserven-Industrie, Stuttgarter Neues Tagblatt 1940, Nr. 211 v. 3. August, 7; Packenius, 1941; Neue Formen der Gemüseverwertung, Kölnische Zeitung 1942, Nr. 145 v. 20. März, 3; Wo bleibt das Gemüse?, 1943). Dies spricht für einen rasch steigenden Verkauf von Tiefkühlkost an die Zivilbevölkerung, basierend vor allem auf den nicht quantifizierbaren Importen aus dem europäischen Ausland.

Produktion von Obst- und Gemüsegefrierkonserven im Deutschen Reich 1941 bis 1944 und in der Bundesrepublik Deutschland 1948 bis 1964 (Tiefkühlgemüse und -obst in Deutschland, Die industrielle Obst- und Gemüseverwertung 50, 1965, 341-344, hier 344)

Spätere Schätzungen der Dosenkonservenindustrie geben eine Gefrierkonservenproduktion von 1941/42 9.000, 1942/43 15.400 und 1943/44 11.500 Tonnen Obst und Gemüses an. Diese Daten berücksichtigen die wahrscheinlich deutlich höher liegende Produktion im europäischen Ausland nicht. Hinzu käme Gefrierfisch in unbekannte Menge. Dagegen stehen die eingangs schon zitierten Schätzungen der britischen Analysten, die unmittelbar nach Kriegsende von einer Produktion von 40.000 bis 45.000 Tonnen für 1944 ausgingen (Mangan et al., 1945, 45). Da ihr Blick auf die Gefrierkonzerne gerichtet war, sie also auch die Auslandsproduktion berücksichtigen, dürften die Produktionsmengen zumindest in den zwei vorherigen Kampagnen nicht unerheblich höher gelegen haben.

Fasst man zusammen, so lassen sich die Größenordnungen der Gefrierindustrie im Deutschen Reich in groben Zügen nachzeichnen. Einer raschen Wachstumsphase mit Ausbau entsprechender Kapazitäten folgte ein weiteres moderateres Wachstum, das vor allem auf der europäischen Expansion der Gefrierkonzerne gründete. Die Wehrmacht mochte bevorzugt beliefert worden sein, doch der Aufbau der Gefriertruhenkapazitäten lässt eine überproportionale Belieferung des Zivilsektors nicht unwahrscheinlich erscheinen. Bezogen auf die Gesamtversorgung mit Obst und Gemüse blieb die Tiefkühlkost jedoch von quantitativ zweitrangiger Bedeutung. Die vorhandenen Strukturen waren aber mindestens so solide wie Anfang der 1960er Jahre, als sich Tiefkühlkost in West- und Ostdeutschland zu einem unverzichtbaren Marktsegment entwickelte.

Rationierungspraxis und Konsumentenkritik

Bisher wurden Einschätzungen und Reaktionen der Konsumenten nur indirekt eingefangen. Das veränderte sich ansatzweise durch die Integration der Gefrierkonserven in die Rationierung. Dadurch wurden ihnen einerseits klare Vorgaben für ihre Warenbeschaffung gegeben. Anderseits aber waren sie seither auch Gegenstand der Überwachung durch den Sicherheitsdienst der SS, für den die Lebensmittelversorgung seit Beginn der Rationierung ein möglicher Hort des Aufruhrs und des Protestes war.

Die markenfreie Versorgung mit Gefrierwaren war Folge der begrenzten gefriertechnischen Absatzstrukturen. Kühlhäuser und Gefriertruhen ließen sich nur in Großstädten und industriellen Agglomerationen kostendeckend nutzen. Auch wenn sich die Versorgung offiziell auf Orte konzentrierte, die „überwiegend keine Verbindung mit dem Lande haben und mit unbewirtschafteten Lebensmitteln weniger gut versorgt sind als kleinere Städte und das flache Land“ (Erlaß. Betrifft: Verteilung von Gemüse und Obstkonserven v. 28. Oktober 1940, Deutscher Reichsanzeiger 1940, Nr. 286 v. 5. Dezember, 2-3, hier 2), so kennzeichnet der zeitgenössische Begriff „Truhenstadt“ die Auswahlkriterien doch präziser. Die rasch wachsende Zahl der Gefriertruhen und der Verkaufsdruck für die im europäischen Ausland erzeugten und bezahlten Gefrierwaren führten 1943 dann zur Bewirtschaftung. Für die Industrie bedeutete das höhere Planbarkeit und sicheren Absatz, zumal sich angesichts der zurückgefahrenen Ausbaupläne an der Zahl der belieferten Städte nur noch wenig änderte.

1943 konnten die zuständigen Ernährungsämter tiefgefrorenes Obst und Gemüse ab Februar ausgeben, sollten das Angebot aber nicht vor Mitte Mai einstellen: „Die Ausgabe der Gefrierkonserven kann mit Rücksicht auf das Fassungsvermögen der Kühltruhen und die ständig fließende Nachlieferung von Gefrierkonserven an die Geschäfte nur allmählich erfolgen; die Verbraucher sind beim Aufruf hieraus ausdrücklich aufmerksam zu machen“ (Verkündungsblatt des Reichsnährstandes 1942, 519). „Aufruf“ bedeutete, dass Ware verfügbar war. Konsumenten waren an bestimmte Einzelhändler gebunden, mussten vorsprechen, der Kauf wurde dann durch einen Stempel im Haushaltsausweis bestätigt, teils gab es auch gesonderte Bezugsscheine (Sortierung der Laufkunden, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 211 v. 25. April, 3). Es gab keinen Anspruch auf bestimmte Sorten, selbst die Wahl zwischen Obst und Gemüse konnte der Einzelhändler selbst treffen. Das eine Kilogramm Gefrierkonserven gab es nur auf Voranmeldung, fehlte diese, so erhielt man Dosenkonserven, die aufgrund der unzureichenden Schwarzblechdosen oder anderer Ersatzmaterialen aber vielfach deutliche Qualitätsmängel aufwiesen. Dosenware dominierte, etwa ein Fünftel dieser Konserven wurde als Gefrierware ausgegeben, in Städten mit vielen Gefriertruhen konnten es aber auch fast die Hälfte sein (Gefrierkonserven gleichberechtigt, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 112 v. 2. März, 2. Morgenbl., 3). Der um 20 bis 25 Prozent höhere Preis der Tiefkühlkost wirkte regulierend, andernfalls entschieden Voranmeldungen und Einzelhändler. Generell war das in geringerer Menge ausgegebene gefrorene Obst deutlich begehrter als Gefriergemüse (Tiefkühlkonserven, Tages-Post [Linz] 1943, Nr. 88 v. 14. April, 6).

Der Konsument als Bittsteller: Karikatur auf das hierarchische Verhältnis von Käufer und Verkäufer (Illustrierter Beobachter 1943, Nr. 27, 12)

Das Rationierungssystem klärte zwar Zuständigkeiten, doch im Falle eines Falles wurde vor Ort verhandelt, wurden Beziehungen genutzt, war der Umgangston harsch. Das Recht auf Nahrung, auf gute Ware wurde strikt verteidigt. Das betraf insbesondere eine an sich hochwertige Ware wie Tiefkühlkost: „In Meldungen zur Ernährungslage und Lebensmittelversorgung werden immer wieder Klagen der Verbraucher über die Qualität der Gemüsekonserven und das Trockengemüse wiedergegeben. […] Die Hausfrauen seien entsetzt darüber, dass ihnen für teures Geld eine derart schlechte Ware angeboten werde“ (Meldungen aus dem Reich 1943, Nr. 379 v. 29. April, 24, Bundesarchiv R 58 182-0350, 350). Der Sicherheitsdienst der SS hatte ähnliches schon Ende März 1943 aus Hamburg gemeldet. Dort waren die Hausfrauen verstimmt. Einerseits waren die Preise hoch, tendenziell zu hoch, anderseits erhielten sie statt erstklassiger Ware faktisch Überraschungspakete. Nicht die aus Bildreportagen bekannten feinen Erbsen oder Karotten gab es, sondern ordinären Kohlrabi, Möhren und gar Zwiebeln. Das Wurzelgemüse gab es bereits frisch für ein Zehntel des Preises. Die Hausfrauen stellten Logik und Expertise der Gefrierexperten beredt in Frage, denn frische Zwiebeln seien doch wohl gesünder als die Gefrierkonserven. Die Anbieter schienen offenbar alles verfügbare Gemüse in die Froster gepackt, keine Rücksicht auf das eigene Markenimage genommen zu haben. Auch beim Vorputzen gäbe es beträchtliche Mängel, Bohnen seien etwa mit den Fäden eingefroren worden. Und wie diese ziehen, da man sie doch frostkalt ins kochende Wasser werfen solle? Es seien daher „Maßnahmen erforderlich seien, die es der Industrie im neuen Erntejahr unmöglich machen, Gemüse in großen Mengen frei zu kaufen“. Die Tiefkühlindustrie solle sich allein „auf die Verarbeitung von hochwertigem und nicht langerfähigem Gemüse beschränken“ (Ebd. 1943, Nr. 371 v. 29. März, 25, Bundesarchiv R 58 10695, 151). Ähnlich berechtigter Zorn wurde auch aus dem Ruhrgebiet berichtet. Auch dort habe man Gefriergemüse parallel zu dem deutlich billigeren Frischgemüse ausgegeben. Nun verkaufe es sich schlecht, laufe gar in Gefahr zu verderben. In Hagen mussten Lieferfahrzeuge gar unausgeladen zum Kühlhaus zurückfahren. Das entspräche nicht der nötigen Sparsamkeit im „totalen Krieg“. Und es sei schon paradox, dass sich Gefriergutproduzenten nicht an die saisonbedingten Verhältnisse anpassen könnten (Meldungen aus dem Reich 1943, Nr. 379 v. 29. April, 25, Bundesarchiv R 58 182-0350, 351). Die Berichte verdeutlichen, dass Hausfrauen die Versprechen der Anbieter ernst nahmen, dass sie eine hochwertige Ware zeitig erhalten wollten, dass sie aber dann grollten, ja grollen mussten, wenn die Versprechungen nicht gehalten wurden.

1944 gab es ähnliche Problemlagen, vor allem aber zu wenige und dann vielfach zu späte Lieferungen. Die Logistik der Produzenten war teils unausgereift, teils wurde die Ware nicht regelmäßig ergänzt, da half auch hochwertiger Inhalt wenig (Ausgabe von tiefgefrorenem Gemüse, Siegener Zeitung 1944, Nr. 110 v. 12. Mai, 3). Besondere Probleme hatten Laufkunden, denen ihr Recht auf Einkauf abseits des eigenen Stammgeschäftes wenig half. Da kein Rechtsanspruch auf Ware bestand, hieß es häufig: „Wir bitten daher die Verbraucher, Geduld zu haben“ (Zur Ausgabe von tiefgekühltem Obst und Gemüse, Oberdonau-Zeitung 1944, Nr. 144 v. 26. Mai, 4). Geduld aber war im Umfeld zunehmend karger, kaum ausreichender Rationen ein noch knapperes Gut als Tiefkühlkost.

Zwischen Luxuskost und Volksnahrungsmittel: Hohe Preise als selbstgeschürtes Problem

1939 hatte der Schriftsteller Bruno Frank (1887-1945), der als Jude und Republikaner das Deutsche Reich nach dem Reichstagsbrand hatten verlasse müssen, eine kleine antinationalsozialistische Kampfschrift namens „Lüge als Staatsprinzip“ geschrieben (Bruno Frank, Lüge als Staatsprinzip, hg. v. Peter Graf und Tobias Roth, Berlin 2024). Lüge sei Grundprinzip des NS-Regimes, aller seiner Repräsentanten, des von ihnen beherrschten Staates. Die Philippika wurde seinerzeit nicht veröffentlicht, wäre bei der Mehrzahl der Deutschen auch nicht auf großen Widerhall gestoßen. „Wahrheit“ und „Ehrlichkeit“ galten offiziell als Tugenden des Regimes, die Glaubwürdigkeit von Vorhersagen, Zielsetzungen und Verheißungen wurden in der gelenkten Presse immer wieder betont. Selbstverständlich handelte es sich um begriffliche Instrumente der Herrschaftssicherung – doch viele Aussagen fanden Glauben, galten nicht von vornherein als Lügen.

Ideal Volksnahrungsmittel (Westfälische Neueste Nachrichten 1940, Nr. 30 v. 5. Februar, 5)

Gefrierkonserven wurden von Anfang an als „Volksnahrungsmittel“ propagiert, einem seit Mitte des 19. Jahrhunderts gern gewählten Begriff, um Popularität und Massentauglichkeit neuer Lebensmittel zu bezeichnen, um aber auch neuen Angeboten einen Weg in den Massenmarkt zu bahnen. 1940 stand dieser Begriff zudem in einer Kette mit vielfältigen „Volksprodukten“, dem Volksempfänger, der Volksgasmaske, dem Volkswagen und dem schon erwähnten Volkskühlschrank. Ihnen gemein war ein günstiger, vom Durchschnittsbürger grundsätzlich bezahlbarer Preis. Und so war die Einführung der Tiefkühlkost von einem vielstimmigen Chor begleitet: „Gefrierware soll kein Luxusartikel sein, sondern ist für die Versorgung der breiten Masse der Bevölkerung bestimmt“ (Gefriererzeugnisse 1941, Meinerzhagener Zeitung 1941, Nr. 142 v. 20. Juni, 4). Das traf jedoch offenkundig nicht zu, zumindest war sie 20 bis 25 Prozent teurer als Dosenware, die ihrerseits mehr kostete als frische, dann allerdings noch zu bearbeitende Angebote.

Grund dafür war offiziell die hohe Qualität, waren gewiss auch die hohen Anlage- und Kapitalkosten, zudem der noch geringe Absatz. Doch man versprach sinkende Preise, angelehnt an gängige Dosenware. Erreicht werden könne dies durch die „zweckmäßige Sortenwahl der Rohware sowie die Vereinfachung und Verbilligung des Produktionsganges und des Weges zum Verbraucher“ (Gefrierkonserve als Volksnahrungsmittel, Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 80 v. 21. März, 6). Dafür gab es breite Unterstützung, denn Tiefkühlkost sollte in einer gerechten und sozialen Volksgemeinschaft eben nicht „nur eine Angelegenheit der Feinschmecker mit großem Geldbeutel“ sein, sondern Speise für jeden Volksgenossen. Anfangs wurden die hohen Preise noch gerechtfertigt, seien diese doch typisch für Innovationen. Doch schon am Ende der zweiten Saison hieß es fordernd klar: „Als Mangel empfindet man zurzeit mit Recht den hohen Preis“. Volksnahrungsmittel, das bedeute Gefriertruhen in jedem Geschäft, also in Laufweite, um „küchenfertige, naturfrische Gefriererzeugnisse aller Art preiswert kaufen“ zu können (beides n. Das Geheimnis der Schnellkühlung, Hamburger Anzeiger 1941, Nr. 161 v. 12. Juli, 5).

1942 nahm die Unzufriedenheit über die weiterhin hohen Preise zu, denn schließlich waren Preise damals staatlich veränderbar. Doch just während der europäischen Expansion hätten Preissenkungen diese wohl deutlich verlangsamt. Offiziell begründete man hohe Preise daher mit dem nur geringen Inlandsangebot und steigenden Importpreisen. Ferner wies man darauf hin, dass in einem Kilogramm geputzter Gefrierkonserve faktisch ja mehr Inhalt als ausgewiesen enthalte. Auch Dosenware weise hohe Wasser- und Brüheanteile auf, habe daher nur 500 bis 650 Gramm wirkliches Füllgewicht (Ausgabe von Gefrierkonserven [11.4.1942], 1943). Das war nicht falsch, verschleierte aber den Sachverhalt von Preisen, die für einen Luxusartikel recht niedrig, für ein Volksnahrungsmittel aber zu hoch lagen. Kamen dann noch Qualitätsprobleme hinzu, war der 1943 offiziell eingefangene Zorn der Hausfrauen vorhersehbar.

„Feinfrost“, „Kühlkost blieben zu teuer, hatten Erwartungen geschürt, die sie letztlich nicht hielten, wohl auch nicht halten konnten. Die britischen Analysen brachten dieses Dilemma auf den Punkt: „In the cause of civilians, frozen foods were reported to be definitely a luxury item because of their high price and thus were generally available those who could afford them“ (Mangan et al., 1945, 46). Und in der US-Fachpresse resümierte man ein Jahr später mit breiterem Blick: „Prices of frozen Foods were from 20 to 25 percent higher than canned foods, although the quality was not always superior. The young industry was having difficulties in the choice of raw materials, in freezing technic, and in packaging. Undesirable flavors were produced in strawberries and stone fruits, and in asparagus, tomatoes, salsify and celery” (Frozen Foods, 1946, 183). Das implizite Versprechen geringerer Preise hatte die Industrie offenkundig gebrochen. Das führte noch nicht zum Vorwurf der Lüge, erodierte aber doch die Glaubwürdigkeit der Industrie, auch des NS-Regimes. Ähnliches galt für die Qualität der Tiefkühlkost.

Die Realität der Gefrierware: Qualitätsfragen und Qualitätsprobleme

Qualitätsführerschaft war das Ziel der Gefrierindustrie, ein Ideal, basierend auf Kenntnissen von der Zersetzung der Lebensmittel, von den Erfahrungen in zahlreichen Testreihen. Die Markteinführung der Tiefkühlkost war ein vielfach ernüchternder Lernprozess, denn die Realität der Gefrierware entsprach vielfach nicht den Deduktionen der Experten: Nur ein knappes Viertel der Produkte war erstklassig, ansonsten gab es vielfältige Wertminderungen, insbesondere Geschmackseinbu­ßen (Müller, Ref. v. Heiß, Ergebnis, 1941, Die Ernährung 7, 1942, 236-237). Für Ingenieure und Hygieniker war dies Folge des raschen Aufbaus und der noch nicht optimierten Technik. Die Arbeitsbedingungen just in den Vertragsbetrieben entsprachen vielfach nicht den hehren Bildern des DAF-Amtes „Arbeit und Schönheit“. Es fehlte an Waschgelegenheiten und Toiletten, vielfach auch an einfachen Hilfsmitteln für das Putzen und Sortieren der Gefriergüter. Das sollte sich durch den Einsatz von Zwangsarbeiterinnen nicht verbessern.

Fehlende Normierung und begrenzte Produktionsstätten: Erbsensortierung vor dem Gefrieren (Hamburger Fremdenblatt 1941, Nr. 212 v. 2. August, 5)

Doch die von vielen Konsumenten beklagten und auch in der Presse immer wieder zumindest erwähnten Qualitätsprobleme reichten tiefer. Erstens wurden die Fachleute insbesondere bei der Gefrierkonservierung von Obst und Gemüse davon überrascht, dass ihre Annahmen über die Veränderungen des Gefriergutes vielfach trogen: „Schon bei der Sterilisierung von Erbsen und Bohnen zeigt sich, daß durchaus nicht Erbse gleich Erbse, Bohne gleich Bohne ist“ (Die richtige Gefriersorte, Bozener Tagblatt 1944, Nr. 219 v. 29. September, 4). Lieselotte Nicolaisen-Scupin (1898-1979), führende Qualitätsforscherin, stellte verwundert und zugleich fasziniert fest, dass die Unterschiede „[e]rheblich krasser“ als bei Dosenkonserven ausfielen: „Nicht allein Farbe und Konsistenz, sondern vor allem auch der Geschmack ist bei der Sortenbewertung erheblich größeren Schwankungen unterworfen“ (L[ieselotte] Scupin, Hochwertiges Gefriergemüse, Gartenbauwirtschaft 61, 1944, Nr. 32, 1-2, hier 1). Die Europäisierung, das Wildern in fremden Gärten, potenzierte die Schwierigkeiten, einheitliche Waren herzustellen. Gefrierkost war daher in der Tat weitab von der an sich angestrebten Standardisierung, Grundlage jeden Massenkonsums. Die Technik mochte funktionieren, doch wusste man zu wenig über die Biologie und Physiologie der Rohware – und das schloss die Lagerhaltung mit ein. Für die Konsumenten war ernüchternd, „daß in manchen Fällen die Dosenkonserve oder die Trockenkonserve vorzuziehen ist“ (Fortschritte in der Herstellung von Gefrierkonserven, Wurzener Tageblatt 1941, Nr. 156 v. 8. Juli, 6).

Solches Wissen führte zu den üblichen Appellen an die Gartenbauwirtschaft, doch nur bestimmte Sorten anzupflanzen. Die Sortenregister müssten überprüft, „Gefriersorten“ definiert und dann Saatgut gezüchtet werden. Ein von der Dosenkonservenindustrie schon vor dem Ersten Weltkrieg eingeführter Vertragsanbau mit normiertem Saatgut und klaren Qualitätsstandards wurde zwar seit 1942 üblich, ließ sich aber aufgrund der Kriegssituation nicht vollends durchsetzen (Ausgabe von Gefrierkonserven, Hamburger Tageblatt 1942, Nr. 63 v. 5. März, 6). Zudem intensivierte man die Quali­tätsforschung, entwickelte und erprobte Klassifikationssysteme zur Objektivierung von Geruch und Ge­schmack, ohne damit aber noch große Effekte zu erzielen (R[udolph] Plank, Fortschritte in der Herstellung von Gefrierkonserven, Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie 51, 1944, 15-16, hier 16; ders., Ein Bewertungsschema für die Quali­tätsprüfung von Obst und Gemüse, ebd., 65-66). Für die Übergangszeit wurden verschiedene Qualitätsklassen empfohlen, da das Versprechen allgemeiner Hochwertigkeit nicht gehalten werden konnte. Das unterblieb, galt angesichts der Qualitätspropaganda auch ein Offenbarungseid.

Einfache Selektion: Qualitätskontrollen in der Propaganda (Mosolff (Hg.), 1941, Tiefkühl ABC, 16)

Zweitens minderten absehbare Probleme in der Kühlkette die Qualität des Gefriergutes. Gerade die Lagerkapazitäten blieben unzureichend, begrenzten also das Wachstum der Branche. Die Tiefkühlhäuser, „die großen Konservenbüchsen der Er­nährungswirtschaft“ (Hans Mosolff, Vorratswirtschaft durch Kälte, Die Deutsche Volkswirtschaft 8, 1939, 84-86, hier 86), erforderten Temperaturen von mindestens -15 bis -25° C. Die Vierjahresplanadministration steigerte zwar die Kühlraumfläche beträchtlich, die Kapazitäten der Plattenfroster konnten aber dennoch nicht voll ausgelastet werden. Mehr hochwertige Rohware hätte diese Probleme nicht beseitigt. Hinzu traten Wissensdefizite. Seit 1936 intensivierte Kühllagerungsversuche bezogen sich anfangs noch nicht auf Gefrierkonserven, sondern eher auf lediglich zu kühlende Massengüter wie Kartoffeln oder Kohl (F[riedrich] Kiermeier und G[ottfried] Krumbholz, Lagerungsversuche mit Kartoffeln mit beson­derer Berücksichtigung der Kaltlagerung, Vorratspflege und Lebensmittelforschung 5, 1942, 1-20). Gefriergut veränderte sich nicht allein bei der Produktion selbst, sondern just danach, selbst bei optimalen Bedingungen. Auch dies war sortenabhängig (G[ottfried] Krumbholz, Ergebnisse und Aufgaben der Forschung auf dem Gebiet der Kaltlage­rung von Kern- und Steinobst, ebd. 4, 1941, 209-218, hier 209).

Einwirkung von Lagertemperatur auf die Beschaffenheit von Tomaten (L[ieselotte] Scupin, Ein Beitrag zur Frage der Tomatenlagerung, Vorratspflege und Lebensmittel­for­schung 4, 1941, 531-540, hier vor 533)

Hinzu kamen vielfältige kleinteilige Probleme bei der Verpackung, dem Transport und der Verteilung der Gefrierwaren (Erich Borkenhagen, Die Gefrierkonserve in der Kriegsernährungswirtschaft, Deutsche Agrarpolitik NF 1, 1942/43, 253-254; Gefrierkonserven gleichberechtigt, Frankfurter Zeitung 1943, Nr. 112 v. 2. März, 2. Morgenbl., 3). Diese waren bekannt, wurden aber (auch kriegsbedingt) nicht angegangen: „There is evidence that an effort was made by the industry to maintain the quality of frozen foods at a high level but in the last years of the war and in the summer of 1945 little attention was paid to quality and greatest emphasis was placed on the conservation of any raw material as long as it was edible” (Mangan et al., 1945, 70).

Die Gefrierindustrie wurde rasch aufgebaut, der Glaube an Technik und rasche Erfolge ebnete ihr den Weg. Doch die heterogene Qualität des Gefriergutes unterstrich, dass man die Vorteile des Nachfolgers nicht wirklich genutzt hat. Die vielgestaltigen Erfahrungen in den USA wurden großenteils ignoriert, da man wohl meinte, es aus eigener Kraft besser machen zu können. Die Probleme im Markt überließ man Praktikern, war zugleich überrascht, dass ihr emsiges Bemühen von berechtigten Klagen der Konsumenten begleitet war. Die deutsche Gefrierindustrie produzierte durchaus Spitzenqualität, doch dem einzelnen Käufer konnte sie diese nicht garantieren. Das erodierte Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Festzuhalten ist aber auch, dass die Tiefkühlkost zwar vielfältiger Kritik ausgesetzt war, dass diese aber nicht grundsätzlich war. Es ging um konkrete Probleme, die zwar ärgerlich, aber überwindbar waren. Die Werbung für Tiefkühlkost hatte auf allen drei Ebenen Erwartungen geschürt, hinter die man nicht nur schwer zurückfallen konnte, sondern auch nicht wollte. Gefrierkost war während der NS-Zeit als Traum von einer besseren, wohlverdienten Spitzennahrung fest verankert worden, so fest, dass Konsumenten und Wissenschaftler gleichermaßen einforderten, was die Gefrierindustrie in der zweiten Kriegshälfte offenbar nicht mehr ausreichend liefern konnte. Das war in der folgenden Übergangszeit eine schwere Hypothek.

Hin zur zweiten Wellte

Es dürfte deutlich geworden sein, dass Tiefkühlkost im Deutschen Reich von 1940 bis 1944 eine relevante Rolle just im Zivilsektor gespielt hat. Das eiserne Dreieck von NS-Staat, Wirtschaft und Wissenschaft etablierte seit 1938 eine Gefrierindustrie, teils auf Basis amerikanischer Patente, teils mittels eigener Technik. Sie war in der Lage, Ansätze zu einer europäischen Großraumwirtschaft zu legen, naturale Rohstoffe besetzter und verbündeter Staaten zu verarbeiten, den deutschen Markt mit nicht unbeträchtlichen Mengen relativ hochwertiger Gefrierwaren zu versorgen. Vor Beginn des Kriegs dominierten die Interessen der Wehrmacht, doch nach den ersten Waffenerfolgen trat der Zivilmarkt immer stärker hervor. Das galt insbesondere für die Obst- und Gemüseversorgung. Tiefkühlkost war werblich und propagandistisch hervorragend nutzbar, verkörperte die vermeintlich überlegene deutsche Wissenschaft und Technik, das sorgende NS-Regime, bot einen Abglanz der noch zu erkämpfenden und zu sichernden nationalsozialistischen Konsumgesellschaft. Bei der Einführung 1940/41 gab es öffentlich breit kommunizierte Versprechungen, ja Verheißungen, die sich als großenteils nicht haltbar erwiesen. Die Preise blieben relativ hoch, die Qualität ließ teils zu wünschen übrig, die Kühlkette wies Lücken und Engpässe auf, der Ausbau blieb hinter den anfangs genannten Größenordnungen deutlich zurück. Doch es gelang Industrie und Handel, Tiefkühlkost abseits der gar nicht so dominanten, während des Krieges vielfach zurücktretenden Wehrmachtslieferungen als Alltagsware in Großstädten und Industriezentren zu etablieren. Die Implementierung von etwa 8.000 Verkaufstruhen während des Krieges unterstrich nicht nur die Bereitschaft, sondern auch die Fähigkeit, Gefrierkost einer wachsenden, möglichst umfassenden Zahl von Konsumenten zu liefern. Der Ausbau der Gefrierwirtschaft stagnierte spätestens seit 1943, lief jedoch auf einem bemerkenswert hohen Niveau weiter. Das war ein entwicklungsfähiges Plateau, das einen raschen Ausbau der Branche nach dem Ende der Besatzungsherrschaft grundsätzlich ermöglicht hätte.

Ausverkauf preisreduzierter Solo-Feinfrost-Produkte im bundesdeutschen Markt (Badische Neueste Nachrichten 1949, Nr. 74 v. 16. April, 11)

Es kam anders, doch dies war ein selbstgewählter Bruch, der Ende der 1950er Jahre korrigiert wurde. Die unmittelbare Kontinuität nach einer Wachstumsdelle von einem Jahrzehnt ist nicht Gegenstand dieses Beitrages. Die Industrie war nach dem Krieg im Wesentlichen intakt, produzierte weiter, belieferte die in die Fußstapfen der Wehrmacht tretenden Besatzungstruppen, seltener auch die Zivilbevölkerung. 1948/49 wurden in Westdeutschland etwa 12.000 Tonnen Gefrierobst und -gemüse produziert. Trotz Wegfalls der mittel- und ostdeutschen Produktionsstätten, überschaubaren, kaum ersetzten Verlusten durch die Kriegshandlungen und begrenzte Demontagen, trotz des Wegfalls der Erträge der Vertragsproduktion in ganz Europa. Die Funktionseliten der Gefrierindustrie trauerten ob dieser Verluste, eine verdeckende Weinerlichkeit, die für große Teil der deutschen Nachkriegsgesellschaft(en) galt. Nicht nur war der Kapitalstock im besiegten Deutschen Reich trotz aller Zerstörungen 1945 höher als 1939. Gerade auch die Gefrierindustrie verfügte über ein zuvor unbekanntes Anlagenvermögen, vielgestaltige Expertise und relativ neue Technik, die unmittelbar hätte genutzt werden können, wäre man denn so wagemutig gewesen wie 1938 bis 1942 unter den Rahmenbedingungen des fordernden und bereitwillig unterstützenden NS-Systems (Bate-Smith, E.O. et al., Food Preservation, with Special Reference to the Applications of Refrigeration, London 1947 (BIOS, Final Report 275), 4-19 (Forschung), 20-49 (Technik und Produkte).

Werbung für tiefgekühlte „Feinfrost“-Gerichte in der DDR (Berliner Zeitung 1957, Nr. 279 v. 29. November, 4)

Während in der DDR der Wiederaufbau der Investitionsgüterindustrien die Mittel aufzehrte, waren es in der Bundesrepublik die massiven Importe von Dosenkonserven, die nicht nur der verbliebenen Dosenkonservenindustrie massiv zusetzten, sondern die Chancen für hochpreisige Tiefkühlkost verringerten. 1949/50 senkten die großenteils noch bestehenden, teils unter neuem Namen weiter produzierenden Unternehmen massiv die Preise, leerten ihre Lager, obwohl man zuvor die Sortimente nochmals erweitert hatte. Stattdessen lockte man mit Preisen „von 1944“ (Wieder „Solo-Feinfrost“, Berliner Zeitung 1950, Nr., 256 v. 3. November, 6). Die Gefrierindustrie versetzte sich in eine kurzen Kälteschlaf, produzierte auf deutlich niedrigerem Niveau vorrangig hochwertige Produkte für sichere Abnehmer. Es wäre irreführend, hieraus den Schluss zu ziehen, dass die Ende der 1950er Jahre einsetzende zweite Welle des Ausbaus der Tiefkühlkost etwas anderes war als eine Fortsetzung der während des Nationalsozialismus gelegten Strukturen unter ansprechenderen, nun offenkundig lukrativeren Rahmenbedingungen.

Uwe Spiekermann, 13. Juni 2026

Die begrenzte Rationalisierung der Produktions- und Absatzketten im späten Kaiserreich: Das Beispiel Obst und Gemüse

Anders als Fleisch oder Milch, Brot und Getreide standen Obst und Gemüse vor dem Ersten Weltkrieg nicht im Mittelpunkt öffentlicher Debatten. Sie erschienen als schwache Lebensmittel, mit nur wenig Eiweiß und wenigen Kalorien; Vitamine waren noch nicht bekannt. Obwohl Teil der täglichen Kost, rangierten sie deutlich hinter den Kernelementen bürgerlicher und auch unterbürgerlicher Kost, nämlich Fleisch, Brot und Kartoffeln. Ihre Alltagsbedeutung war weit gefächert. Obst und Gemüse waren erstens saisonale Lebensmittel, deren Konsumspitzen sich an die Erntezeiten anschlossen. Zweitens boten sie Beikost zur Variation der relativ gleichförmigen, vorrangig auf Getreide, Getreideprodukten und später auch Kartoffeln basierenden Mahlzeiten. Obst und Gemüse waren drittens soziale Marker [1] und dienten viertens als Gesundheitskost [2]. Trotz eingeschränkter saisonaler Verfügbarkeit und hoher Preise war die gesellschaftliche Bewertung beider Lebensmittelgruppen durchaus positiv, boten sie doch schmackhafte und auch süße Ergänzungen im Alltag.

Angesichts ihres relativ geringen Nährwertes ist ihr Bedeutungsgewinn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemerkenswert. Der Gemüsekonsum stieg bis zum Ersten Weltkrieg relativ konstant an [3]. Zwischen 1850 und 1913 verdreifachte sich der Anbau, während der jährliche Pro-Kopf-Konsum von 37 kg auf über 60 kg wuchs. Das Angebot war regional geprägt, generell dominierten im Deutschen Reich verschiedene Kohl- und Wurzelgemüse, Mohrrüben, Zwiebeln und Gurken. [4] Der Obstkonsum lag deutlich niedriger, doch verdoppelte er sich zwischen 1850 und 1913. Äpfel, Pflaumen, Birnen und Kirschen bestimmten das Angebot. Südfrüchte besaßen dagegen nur eine geringe absolute Bedeutung, auch wenn Natureis und Kühlmaschinen den Eisenbahn- und Schiffstransport insbesondere seit den 1890er Jahren wesentlich vereinfachten. Zitrusfrüchte, Ananas, Bananen, sowie getrocknete Feigen und Korinthen waren relativ teuer, aber schon vor dem Ersten Weltkrieg allgemein verbreitet [5].

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Verkauf von Messina-Apfelsinen in Berlin 1907 [6]

Die veränderten Konsummuster lassen sich auf drei vornehmlich angebotsbezogene Faktoren zurückführen, die ihrerseits wiederum auf Nachfrageimpulsen gründeten. Erstens ist die verbesserte Transportinfrastruktur zu nennen, ohne die neue leistungsfähige Versorgungsinstitutionen, etwa die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, neue Großhandelsformen und insbesondere ein sich dynamisch entwickelnder Facheinzelhandel nicht denkbar gewesen wären. Zweitens setzte schon früh eine Rationalisierung und Intensivierung des Gartenbaus ein. Es waren vor allem kleine und mittlere Produzenten, vorrangig Pomologen, die lokale und regionale, meist genossenschaftlich organisierte Netzwerke einrichteten, um die Qualität, insbesondere aber den Ertrag des angebauten Obstes und Gemüses zu erhöhen.

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Professionalisierung der landwirtschaftlichen Forschung: Landwirtschaft­li­che Experimentalstationen für Gartenbau in Deutschland im 19. Jahr­hundert [7]

Die dort, aber auch an Universitäten und in landwirtschaftlichen Betrieben arbeitenden Experten etablierten ein chemisch-physiologisches und stoffbasiertes Verständnis von Pflanzen und Agrarproduktion, auch wenn es noch lange von den empirischen Kenntnissen der Praktiker in Frage gestellt wurde. Die Zusammensetzung von Böden und Pflanzen wurde analysiert, neues Saatgut gezüchtet und verbreitet, ferner Grundzüge der Düngelehre und dann auch des Pflanzenschutzes etabliert [8]. Gleichwohl produzierte man Obst und Gemüse vorrangig im Nebengewerbe, lediglich ein Achtel des Angebotes stammte vor dem Ersten Weltkrieg von spezialisierten Betrieben. Das lag an der gegenüber Hackfrucht- und Getreideanbau wesentlich höheren Abhängigkeit vom Wetter und den nicht unerheblichen Problemen, die nach der Ernte teils schnell verderblichen Waren verkaufen zu können.

Neben den traditionellen Lager- und Verarbeitungstechniken entwickelte sich drittens die Konservierungstechnik rasch, nahm jedoch eine außergewöhnliche Entwicklung. Gewiss, die gewerbliche Dosenkonservierung gerade von Gemüse nahm zwar deutlich zu, doch die Konsummengen blieben zumal im Vergleich zu Großbritannien und den USA recht gering: 1913 wurden im Deutschen Reich ca. 80 Mio. Dosen Gemüse- und 30 Mio. Dosen Obstkonserven produziert, also etwa zwei Kilogramm pro Kopf und Jahr. [9] Von einem „Konservenzeitalter“ kann wahrlich nicht die Rede sein. Wesentlich bedeutsamer als die Konservenindustrie war die häusliche Konservierung. Die anfallenden Ernten von Gärten und Feldern wurden dezentral verarbeitet, wobei der Anteil der zugekauften Ware stetig wuchs. Dabei handelte es sich nicht um Beibehaltung tradierter Techniken des Einmachens, sondern um eine bewusste Verhäuslichung, um die Nutzung neuer Techniken in der Hauswirtschaft. Seit den 1870er Jahren gewann insbesondere im landwirtschaftlichen Milieu die heimische Dosenkonservierung an Bedeutung. Entscheidend aber wurde die Einführung von Einkochverfahren auf Grundlage der neu entwickelten Hitzesterilisierung, namentlich des Weck-Verfahrens in den späten 1890er Jahren [10]. Aufgrund des relativ hohen Preises der Konservierungsgefäße und -geräte blieb ihre Verwendung während des Kaiserreiches jedoch noch auf bürgerliche und bäuerliche Haushalte begrenzt.

Während die Fleisch- und Milchproduzenten, teils durch Zollschutz und veterinärmedizinische Vorkehrungen, teils durch die rasche Verderblichkeit der Waren, nur relativ geringer Konkurrenz ausgesetzt waren, gab es im Obst- und Gemüsesektor nicht nur vermehrte Nachfrage, sondern zugleich einen wachsenden Importdruck qualitativ höherwertiger Angebote. Der durchaus bestehende Zollschutz wurde dadurch unterminiert. Selbstbewusst hieß es etwa auf einem Eisenbahnwaggon mit Importware: „Einst waren sie im Reichstag toll, Schickten uns darum Eingangszoll, Und hofften Hollands Kohl zu wehren, Doch Deutschland kann sie nicht entbehren. Schon 1000 Wagen sandte dies Jahr Hinüber Kaufmann K. Wagenaar. Klaas Wagenaar aus Broek und Langendeich. Sandte immer beste Waren, Berliner Händler, bestellt darum sogleich. So werdet ihr viel ersparen“ [11].

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Marktorientierte Gemüseproduktion in den Niederlanden 1911: Gurkenproduktion im beheizten Glashaus (l.) und Gemüsetransport zur Auktion (r.) [12]

Ähnlich urteilten deutsche Marktbeobachter über die Fruchtimporte: „Das [ausländische, US] Obst kommt unter bestimmten bekannten Marken in den Handel und befindet sich in den Verpackungsgefäßen in so tadelloser, gleichmäßiger Qualität, daß der Großhandel die Ware sowohl einkaufen wie verkaufen kann, ohne sie vorher in Augenschein nehmen zu müssen, und ohne ein nennenswertes Risiko zu laufen, welches bei der Versendung durch Verderben der Früchte sonst zu befürchten wäre. Der Zustand des ausländischen Obstes befähigt den Großhandel, dasselbe von den großen Handelszentren bis in die entferntesten und kleinsten Konsumplätze dem Kleinhandel zu liefern. An diesen Plätzen wird hierdurch das deutsche Obst ersetzt bezw. verdrängt.“ [13] Die wachsenden Erfolge auswärtiger Anbieter, die vor dem Ersten Weltkrieg mehr als ein Fünftel des Absatzes bestritten, führten spätestens Mitte der 1890er Jahre zu einer intensivierten Expertendiskussion. Es galt, vom Ausland zu lernen, vorrangig von den USA und den Niederlanden [14].

Die Qualitätsdefizite des eigenen Angebotes waren offenkundig: „Geht man durch die Marktstände in den Städten oder wirft einen Blick in die Schaufenster und Läden der Fruchthandlungen, so kann man sich eines Erstaunens über das Aussehen der Früchte nicht erwehren und muß sich wundern, daß derartig fleckiges, angestoßenes oder krüppeliges Obst Abnehmer findet, und zwar zu einem Preise, den der produzierende Landwirt kaum für seine allerbesten Früchte erzielt.“ [15] Abseits des Augenscheins wurden vorrangig zu geringe Anbauflächen, zu schlechte Pflege der Pflanzen, mangelnde Konservierungstechniken, zu hohe Warenverluste, zu viele Sorten, zu geringe Liefermengen und schlechte Sortierung kritisiert. [16] Das Kleinklein der Produktion galt als besonderes Problem, verlangte „der wirklich intensive Obstbau [doch, US] große Kapitalien, viel Zeit und ungeteilte Arbeitskraft […]. Er muß zu einer förmlichen ländlichen Industrie ausgestaltet werden, wenn er nennenswerte Erträgnisse liefern und volkswirtschaftliche Bedeutung erlangen soll.“ [17]

Die Antwort zahlreicher Agrarökonomen, Pomologen und Praktiker zielte auf eine Qualitätsoffensive zur Rückgewinnung der deutschen Konsumenten. Sie ging jedoch nicht von den Bedürfnissen und Erwartungen der Verbraucher aus, sondern zielte auf hochwertigere und vor allem effizienter produzierte und vermarktete Waren. Diese würden – gemäß dem Sayschen Theorem – ihren Absatz finden, da Produktqualität das beste Verkaufsargument sei. Das mag aus heutiger Sicht verwundern, spiegelte jedoch die zeitgenössischen Vorstellungen der nationalökonomischen Theorie, in denen der Konsument erst einmal als Widerpart des Produzenten verstanden wurde. [18] Er erzwang „die Waren resp. Leistungen nach Bedarf und möglichst bequem, mannigfaltig, brauchbar und preiswert zu erhalten“ – doch damit waren die Problemlagen einer Konsumentenorientierung klar benannt, biete sie denn „keine Garantie mehr für die Güte, die Qualität, die Preiswürdigkeit der Waren. Der Konsument muß selbst prüfen und ist, wenn er dies nicht thut oder nicht kann, der Gefahr der Benachteiligung ausgesetzt.“ [19] Der rational gedachte Konsument zielte auf die maximale Befriedigung seiner Bedürfnisse. Er war Auslöser ökonomischen Dynamik, die zu Qualitätsverschlechterung und überbürdenden Ansprüche führen mussten, wenn nicht andere Instanzen helfend einsprangen. Entsprechend diente er vielfach als „Prügelknabe“ [20] von Wissenschaft und Öffentlichkeit, als Projektionsfläche der inneren Debatten über die liberale Wirtschaftsordnung und den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Der „Konsument“ war meist eingebettet in moralische Debatten über Luxus und Sparsamkeit, war Gegenstand stetiger Aufklärungs- und Erziehungsbestrebungen. Sie zielten nicht zuletzt darauf, ihm einen Begriff von Qualität zu vermitteln: Es galt, „daß die sittliche Erziehung des Konsumenten darauf ausgehen muß, ihn mit den Herstellungskosten der Gegenstände vertraut zu machen, ihm einen Begriff von den Kosten volkswirtschaftlicher Produktion beizubringen, damit er nicht einfach planlos nach dem Billigsten greift.“ [21] Gegenüber diesem Hauptstrang traten andere Versuche von Ökonomen und Sozialwissenschaftler zurück, die den Begriff des „Konsumenten“ nutzten, um Kritik an der korporatistischen Wirtschaftsstruktur und seiner „Bevormundungstendenz“ [22] im Konsumgütermarkt zu üben, oder aber gar auf seinem Wollen und Streben die Grundlagen einer genossenschaftlich organisierten „sozialen Tauschgemeinschaft“ [23] zu gründen.

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Idealbild Massenproduktion – Obstzüchterei Karolinenhof in der Steiermark 1902 [24]

Der Konsument war also Billigheimer und Qualitätsverschlechterer. Sein Griff nach der schönen Auslandsware lag denn nicht an deren höherer Qualität, sondern am blendenden schönen und standardisierten Äußeren holländischer Gurken und kalifornischer Äpfel. „Gute“ deutsche Ware würde sich dagegen durchsetzen, wenn sie denn nur in größeren Chargen angeboten würde. Ziel war daher „Massenerzeugung“ [25], auch, um die Kosten zu reduzieren. Verbraucher und Marktentwicklung wurden damals nicht analysiert, sondern antizipiert: „Es ist mit erhöhten Ansprüchen der Verbraucher, mit der Einfuhr ausländischer Früchte und auch mit der räumlichen Ausdehnung der Städte zu rechnen.“ Eine präzise Marktanalyse unterblieb, entwickelte sich erst in den 1920er Jahren. [26] Die deutschen Anbieter von Obst und Gemüse blieben vor dem Ersten Weltkrieg produktorientiert, die einschlägigen Fachbücher konzentrierten sich auf Garten und Feld, nicht auf Absatz und Verkauf. [27]

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Sortenreduktion – Differenzierte Empfehlungen für den Handelsobstbau 1903 [28]

Dies bedeutete erst einmal eine Sortenreduktion, wie sie in den badischen Obstbaugebieten schon seit Ende der 1880er Jahre umgesetzt wurde. [29] Die Pomologen hatten die heimischen Sorten detailliert beschrieben, sahen darin einen Widerhall von Gottes Ordnung und nationalem Reichtum. [30] Nun aber ging es um Quasimarkenbildung, insbesondere „wenige, marktgängige Sorten. Die Obstbautechnik muß sich des bestehenden Vielerleis annehmen und hierin Wandel schaffen.“ [31] Dies betraf einerseits marktgängige Sorten, etwa die heute noch gängigen Boskop- oder Reinette-Äpfel. Anderseits sollten Markenartikel als Herstellermarken durch einzelne Obstbaugenossenschaften etabliert werden. [32] Dazu bedurfte es neuartiger Verpackungen, denn die Züchtungsprodukte mochten ähnlich aussehen und auch einheitlich sortiert worden sein, doch sie blieben eine heterogene Ware.

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Einhegung bestehender Variabilität: Williams-Äpfel vom selben Saatgut [33]

Es ging vor dem Ersten Weltkrieg also nicht allein um eine höhere Produktion von marktgängigem Obst und Gemüse zu akzeptablen Preisen. Es ging zuerst einmal um den Aufbau umfassender Produktions- und Lieferketten, um die Waren in möglichst unversehrter Form an den Konsumenten bringen zu können. Angesichts des zersplitterten Angebotes war dieses Ziel nicht passgenau zu erreichen, sondern nur annäherungsweise. Die Vielfalt und die Variabilität der Obst- und Gemüsesorten bildeten zentrale Probleme, denn die Kosten für ein derart breites und qualitativ heterogenes Angebote waren für einen profitablen Absatz schlicht zu hoch. Entsprechend gab es vor dem Ersten Weltkrieg eine Vielzahl lokaler und regionaler Initiativen, um jeweils Teile der Produktions- und Lieferketten zu verbessern. Der Konsument blieb in Deutschland dabei jedoch eine Chimäre, denn Anbieter und Händler waren überzeugt, dass „gute“ Ware ihn überzeugen würde. Sie handelten fast lehrbuchmäßig, mit einem rational agierenden homo oeconomicus als Absatzziel. Doch sie verkannten, dass auch eine in ihren Augen „gute“ Ware nicht ausgereicht hätte, die Konsumenten dem vermeintlich unter kalifornischer Sonne gereiften Obst und dem frischen Gemüse aus Holland zu entwöhnen. Zudem blieben die Initiativen im Inland häufig Stückwerk. Standardisierungsbemühungen gab es, doch die letztlich steckengebliebene Vereinheitlichung der Verpackungen unterstrich die immensen Probleme, das Angebot gefällig, transportfest und preisgünstig zu bewegen. Wo immer Produzenten und Händler begannen, trafen sie rasch auf neue Flaschenhälse, die kleinteilige Verbesserungen entwerteten.

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Einheitsverpackungen des Deutschen Pomologen-Vereins 1907 [34]

Um ein homogenes markt- und konkurrenzfähiges Produkt anbieten zu können, wurde beispielsweise von regionalen und nationalen Spitzenverbänden versucht, Transport- und Verkaufspackungen miteinander zu koppeln. Doch der jeweilige Materialaufwand sollte sich an der Qualität der Ware orientieren. Es ging also noch nicht um eine für alle Sorten gültige Einheitslösung – der Deutsche Normenausschuss entstand erst 1917 mit Fokus auf Rüstungsgüter und die Maschinenindustrie – sondern um Verpackungen für Einzelgüter. Diese konnten Transportkosten reduzieren, zumal die Tarif- und Portosätze von Reichsbahn und Reichspost einen Referenzrahmen boten. Doch zugleich stellten die vermeintlich passgenauen Verpackungen neue Aufgaben, erforderten insbesondere eine bessere Sortierung der Waren: „Je geschmackvoller und sauberer die Verpackung nun ist, ein um so höherer Preis wird gezahlt. Präsentiert sich doch gut verpacktes Obst dem Auge des Käufers viel besser als lose in Körbe geschüttete Früchte.“ [35]

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5-Kilogramm-Versandpackungen für Berliner Delikatessenläden 1904 [36]

Standardisierte Füllmengen und gestufte, meist am Gewicht und der äußeren Erscheinung der Waren orientierte Qualitätsspreizungen beschleunigten und verbilligten zugleich den Groß- und Einzelhandel – so die Schlussfolgerung der Experten. Üblich wurden vielfach 25 kg-Kisten bzw. 5 kg-Pappkartons. Die erste Qualität wurde mit Seidenpapier, Holzwolle und Papierlagen ausgelegt, bei der zweiten fehlte Seidenpapier, während es bei dritter Qualität nur eine lockere Aufhäufung gab. Die Qualitätsspreizung erfolgte jedoch auch anhand der Ware selbst: „Erste Qualität nennt man tadellos entwickelte, gleichgroße und fleckenlose Früchte, welche weder angestoßen, noch wurmstichig sein dürfen. Früchte zweiter Qualität sind auch eine gute Verkaufsware, die den obigen Ansprüchen in bezug auf Güte entsprechen, doch können sie zweiter Größe sein. Unter dritter Qualität versteht man nun den Rest des Ernteertrages, jedoch dürfen keine faulenden Früchte dabei sind“ [37].

Der hochwertige Augenschein erforderte Rationalisierungen auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette. Diese bedeutete einerseits Kooperation in Form spezialisierter Obst- und Gemüsebaugenossenschaften. [38] Damit konnten nicht nur die noch wenigen Saat-, Kultivierungs-, Reinigungs- und Sortierungsmaschinen effizienter eingesetzt, sondern auch Betriebsmittel zu geringeren Preisen eingekauft werden.

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Ertragssicherung durch Chemisierung – Baumspritze „für den Großbetrieb“ 1903 [39]

Die Genossenschaften förderten zudem eine systematischere Produktpflege, eine intensivierte Schädlingsbekämpfung und eine verbesserte Düngung: „Um Qualitätsfrüchte zu erreichen, darf man mit der Düngung von Phosphorsäure nicht sparen.“ [40] Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Vereinen erleichterten Produktionsgenossenschaften ferner eine lokale Wissensdiffusion, die nicht nur auf Broschüren und Bücher gründete. Landwirtschaftliche Ausstellungen waren tendenziell wichtiger. [41]

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Rationalisierung der Marktbeschickung – Ausladevorkehrungen und Marktpritschen in Stuttgart 1904 [42]

Anderseits etablierten sich leistungsfähigere Großhandelsbetriebe, die sich insbesondere auf den raschen Absatz in urbanen Massenmärkten konzentrierten. Gemeinsam verbesserte man langsam auch die Lagerhaltung, um die saisonalen Angebotsspitzen abzuflachen und höhere Preise zu erzielen. Die deutschen Anstrengungen blieben jedoch weit hinter denen der europäischen und insbesondere der US-amerikanischen Anbieter zurück. Grund hierfür war auch, dass die Veränderungen des Kühlgutes während der Lagerung damals noch kaum erforscht waren. Die Forschung hatte sich im späten 19. Jahrhundert zuerst auf Fleisch und Fette, dann auch auf Fisch konzentriert, nur langsam folgten lagerfähige Gemüse und Südfrüchte wie Ananas und insbesondere Bananen. [43] Zur Verbindung von Produktion und Absatzmärkten nutzte man zudem mit Natureis gekühlte Transportmittel.

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Kühltechnik im Dienst der Obstvermarktung in den USA: Waggon mit Eiskühlung [44]

Das betraf insbesondere Eisenbahnwaggons mit Eiskühlung sowie spezialisierte Frachtschiffe. Sie halfen nicht nur Distanzen zu überwinden, sondern erforderten auch neue Absatzinfrastrukturen in den Zielorten. Lagerhäuser mutierten peu a peu zu Kühlhäusern. Hier konnte zudem „künstliche“ Kühlung eingesetzt werden, die seit den 1870er Jahren schon die Produktion von Bier grundlegend umgestaltet hatte.

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Maschinengekühlter Lagerraum mit Obstfässern und -kisten [45]

Die kleinteiligen Lagerräume erlaubten lediglich Kühlung, nicht aber das damals kaum erforschte Gefrieren von Obst und Gemüse. Kernproblem blieb die genaue Temperaturführung, gab es in den Räumen doch nicht unbeträchtliche Unterschiede von einigen Grad. Das aber gefährdete die Qualität des Kühlgutes, zumal bei kleineren Chargen. Die unterschiedlichen Verpackungen und die Lagertechnik erschwerten zudem das dadurch eigentlich erforderliche regelmäßige Umpacken.

Technische Probleme dieser Art wurden angegangen und in langwieriger Arbeit auch abgemildert. Das aber galt nicht für das eigentliche Ziel all dieser Bemühungen, den Absatz an den Konsumenten. Die Mitte der 1890er Jahre vielfach ins Leben gerufenen Verkaufsstellen für deutsches Frischobst und Obstprodukte hatten beispielsweise kaum Erfolg [46]. Die Direktvermarktung der Produzenten konnte sich gegen die schnell wachsende und hochgradig fluktuierende Zahl der Straßenhändler und Ladengeschäfte nicht durchsetzen [47]. Schon vorher waren Versuche gescheitert, den Obst- und Gemüseverkauf in Kleinhandelsmarkthallen zu konzentrieren. Dieses hätte zwar einen hygienischen und staatlich einfacher zu überwachenden Absatz erlaubt, doch angesichts der Zeitaufwendungen derartiger zentralisierter Strukturen fanden sie beim Publikum kaum Widerhall.

Großhandelsmarkthallen etablierten sich dagegen im späten 19. Jahrhundert als die eigentlichen Drehscheiben des Absatzes von Obst und Gemüse. Daneben behaupteten sich die im späten 19. Jahrhundert vielfach totgesagten Wochenmärkte insbesondere in Mittelstädten. Allerdings nahm die Zahl der vom Umland in die Stadt fahrenden Produzenten zugunsten spezialisierter Markthändler ab.

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Wochenmarkt in Würzburg im späten 19. Jahrhundert [48]

Der Ladenhandel mit Obst- und Gemüse wurde von kapitalarmen Kleinhändlern dominiert, auch wenn sich parallel spezialisierte Frucht- und Feinkosthandlungen für den gehobenen Bedarf etablieren konnten. 1907 gab es im Handel mit anderen landwirtschaftlichen Waren – Tiere, Getreide, Samen und Blumen waren ausgeschlossen – 102.607 Betriebe, doch weniger als fünf Prozent davon beschäftigten vier oder mehr Personen [49]. Parallel etablierten sich gerade in den Großstädten zahllose Straßenhändler, die Großhandelsware rasch abverkauften. Sie waren eine institutionelle Antwort auf das saisonal sehr unterschiedliche Aufkommen von Gemüse und insbesondere Obst. Obwohl innovative Absatzformen, wie etwa Verkaufsautomaten, durchaus bestanden, veränderte sich der Letztverkauf von Obst und Gemüse nur wenig [50].

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Gesunde Snacks in 31 Fächern. Obst-Automat der Berliner Firma P. de la Vari [51]

Wichtige Veränderungen gab es jedoch im Wechselspiel zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Verarbeitungsindustrie. Parallel zum Bedeutungsgewinn der häuslichen Verarbeitung von Obst und Gemüse zu Dauerwaren etablierte sich ein rasch wachsender gewerblicher Markt. Marmeladen, Fruchtsäfte und Obstweine sowie Dosengemüse gewannen an Bedeutung, waren im Kaiserreich aber nie mehr als Nischenprodukte. [52] Das sollte sich angesichts der Versorgungsprobleme während des Ersten Weltkrieg, vor allem aber durch technische Verbesserungen während der Weimarer Republik ändern, als zudem die Vitaminforschung die Wertigkeit pflanzlicher Produkte deutlich verbesserte.

Vor dem Ersten Weltkrieg erfolgten all diese kleinteiligen Veränderungen nur langsam, blieben teils regional begrenzt, griffen nicht reichsweit. Dies war paradoxerweise aber auch Resultat eines überbordenden Nationalismus: Die begrenzten Rationalisierungsbestrebungen spiegelten nämlich immer auch Vorstellungen einer spezifisch deutschen Qualität insbesondere des Obstes. Die ausländische Konkurrenz mochte gefällige Massenware liefern, doch das eigentliche Alleinstellungsmerkmal deutscher Produkte lag nicht in der Form, sondern in ihrem Geschmack [54]. In den Quellen findet sich wieder und wieder Klagen über die Ignoranz der Konsumenten, die beispielsweise die zahllosen Nuancen einheimischer säuerlicher Äpfel oder regionaler Kohlsorten nicht würdigen würden. Es war also nicht allein Marktignoranz, sondern auch der nationale Stolz vieler Anbieter auf ihre Spezialitäten, der Rationalisierungsbestrebungen ins Leere laufen ließ [55]. Gut und reell zu liefern und das eigene Angebot zu pflegen – das mochte angehen. Doch die breiter gelagerten Qualitätsvorstellungen der Konsumenten in den Blick zu nehmen war vor dem Ersten Weltkrieg kaum verbreitet. Nicht freier Konsum nach eigenem Gustus stand im Mittelpunkt, sondern eine Einreihung in eine spezifisch deutsche Rollenerwartung, in der die Verpflichtung für das abstrakte Gemeinwohl stets bedeutsam blieb.

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Produktdifferenzierung durch Verarbeitung – Anzeigen 1914 [53]

Entsprechend wurde immer wieder versucht, den Konsumenten von den relativen Vorzügen des bestehenden deutschen Angebotes zu überzeugen, sie also zu erziehen. Die meisten bäuerlichen Produzenten sahen sich selbst in einer geordneten, ständisch differenzierten Gesellschaftsstruktur, in der sie möglichst „gute“ Ware liefern sollten, in der die Konsumenten dann aber auch verpflichtet waren, diese abzunehmen. [56] Die von zahlreichen Agrarwissenschaftlern vorgeschlagenen Rationalisierungsbestrebungen, insbesondere die intensiv diskutierte „Industrialisierung der Landwirtschaft“ [57] schien nur wenigen erstrebenswert, da sie Lebenszuschnitte unterminierte und die Gesellschaft zu zersetzen schien – fast so wie eine faule Frucht die sie umgebenden Früchte. [58]

Standardisierungsbestrebungen, Qualitätsfestlegungen und eine Orientierung auf die mit dem Produktionsumfeld und seinen Besonderheiten nicht mehr vertrauten Konsumenten hatten daher im späten Kaiserreich nur begrenzte Erfolge. Es fehlten nicht nur ihrer selbst bewusste Konsumenten, die ihre Forderungen aktiv artikulierten, sondern es fehlte zugleich seitens der Mehrzahl der Produzenten an der Bereitschaft, deren Erwartungen ernst zu nehmen, und ihnen eine Ware zu liefern, die mit großem Aufwand verbunden war. [59] Trotz ihres Kultes des Objektiven ging es den Akteuren nie nur um Richtiges, sondern immer auch um Rechtes. Die Malaise der Qualität von Obst und Gemüse lag nicht nur darin, dass die Konsumenten an deren Definition nur indirekt und virtuell beteiligt waren, sondern dass Wissenschaftler und Produzenten stets Qualitätsideale verfochten, die auf eine kleingewerblich organisierte Bürgerwelt zugeschnitten war, nicht aber auf die Herausforderungen anonymisierter Massenmärkte und damit moderner Konsumgesellschaften. Für die ausländische Konkurrenz, die schon vor dem Ersten Weltkrieg begann, Marktforschung und Marketing zu betreiben, war und blieb dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Uwe Spiekermann, 31. Januar 2020

 

Quellen- und Literaturnachweise

[1] Gustav Klemm, Allgemeine Culturwissenschaft, Leipzig 1855, 304-308.
[2] Ulrike Thoms, Anstaltskost im Rationalisierungsprozeß. Die Ernährung in Krankenhäusern und Gefängnissen im 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 2005, 110-119.
[3] Hans J. Teuteberg, Der Verzehr von Nahrungsmitteln in Deutschland pro Kopf und Jahr seit Beginn der Industrialisierung (1850-1975). Versuch einer quantitativen Langzeitanalyse, in: Ders. und Günter Wiegelmann, Unsere tägliche Kost. Geschichte und regionale Prägung, Münster 1986, 225-289, hier 245. Teutebergs Sekundärzahlen basieren allerdings auf sehr unpräzisen Grundangaben. Eine Neuberechnung und Präzisierung ist ein wichtiges Forschungsdesiderat.
[4] Georg v. Viebahn, Statistik des zollvereinten und nördlichen Deutschlands, T. 2, Berlin 1862; Elisabeth Paetzmann-Dulon, Richard Heineke und Hermann Henke, Der Verbrauch von Obst und Gemüse in Nordwesteuropa und seine Bedeutung für die Absatzmöglichkeiten der Mittelmeerländer, Kiel 1961; Paul Seitz, Der Gemüse- und Kräuteranbau und die Speisepilzerzeugung seit dem 18. Jahrhundert, in: Günther Franz (Hg.), Geschichte des deutschen Gartenbaues, Stuttgart 1984, 365-454.
[5] Helmut Eisig, Der Verbrauch von Nahrungsmitteln in Deutschland vor und nach dem Krieg, Phil. Diss. Basel 1933, 19, 28-30.
[6] Berliner Leben 10, 1907, Nr. 1, 10.
[7] Karte erstellt anhand der Angaben von Günther Liebster, Der deutsche Obstbau seit dem 18. Jahrhundert, in: Franz (Hg.), 1984, 143-205, hier 193. Während des 20. Jahrhunderts wurden weitere Experimentalstationen in Schlachter (1903), Pillnitz (1922), Fünfhausen (1938), Osnabrück (1949) and Nürtingen (1952) errichtet. Einen guten Einblick in die Arbeitsschwerpunkte vermittelt Th[eodor] Remy, [Bernhard] Hunger und [P.] Lange, Der neue Versuchsbetrieb für Gemüse- und Obstbau an der Königl. landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppelsdorf, Berlin 1916.
[8] Frank Uekötter, Die Wahrheit ist auf dem Feld. Eine Wissensgeschichte der deutschen Landwirtschaft, Göttingen 2010.
[9] [Bernhard Heinrich] Barg, Konservierte Nahrungsmittel, Zeitschrift für Volksernährung 13, 1938, 56-57, hier 57.
[10] Uwe Spiekermann, Zeitensprünge: Lebensmittelkonservierung zwischen Haushalt und Industrie 1880-1940, in: Ernährungskultur im Wandel der Zeiten, hg. v. KATALYSE e.V. und BUNTSTIFT e.V., Köln 1997, 30-42. Zu den zuvor verwandten Haushaltstechniken s. A. Gebhardt, Das Obst als Nahrungsmittel, Leipzig 1894.
[11] Zit. n. Hayunga, Die Versorgung des deutschen Marktes mit Gemüse aus dem Auslande und Erfahrungen über Organisation im Anbau und Verkauf von Gemüse in Holland, Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 25, 1910, 391-396, 420-421, hier 393.
[12] Udo Dammer, Moderne Gemüsekultur in Holland, Die Woche 13, 1911, 847-851, 848 (l.) und 849 (r).
[13] D. Sandmann, Wie kann der Absatz der deutschen Obstproduktion auf genossenschaftlichem Wege gefördert werden?, Deutsche Nahrungsmittel-Rundschau 4, 1906, 138-140, 146-148, hier 138.
[14] Reiseberichte förderten den Informationstransfer, vgl. etwa umfassend Fr[iedrich] Oetken, Die Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sowie die allgemein-wirthschaftlichen, sozialen und Kultur-Verhältnisse dieses Landes zur Zeit des Eintritts Amerikas in das fünfte Jahrhundert nach seiner Entdeckung, Berlin 1892; A.G. Grant, Internationaler Obstbau und der Weltmarkt. Was der rationelle Obstbau der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika den deutschen Obstzüchtern lehrt. Eine Skizze, o.O. 1905. Beispiele für unmittelbare Adaptionsvorschläge sind M. Heller, Obst-Industrie. Ein Anregung nach amerikanischem Muster, Das Land 14, 1905/06, 59-62; B[runo] Hempel, Deutschlands Gemüseeinfuhr und ihre Lehren für den heimischen Anbau, Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 28, 1913, 377-381; Hans Tenhaeff, Gemüseproduktion und -Absatz nach holländischen Vorbild in Deutschland, ebd. 30, 1915, 283-286, 300-304, 322-325, 340-342. Die Veränderungen begannen zuerst im Obstsektor, griffen dann aber auch auf die Gemüseproduktion über, vgl. [Fridolin] Rebholz, Förderung des Gemüsebaus, Landwirtschaftliches Jahrbuch für Bayern 2, 1912, 1-13.
[15] O[tto] Wauer, Ernte, Aufbewahrung und Verwertung des Obstes, Landwirtschaftliche Zeitung für Westfalen und Lippe 68, 1911, 384-386, hier 384.
[16] Udo Dammer, Obstbau in Deutschland, Die Woche 1, 1899, 953-955. Zum relativer Rückstand gegenüber anderen Sektoren der Landwirtschaft, vgl. A. Hupertz, Landwirtschaftlicher Obstbau. Vorschläge zur Reorganisation, Würzburg 1902.
[17] Heller, 1905/06, 59.
[18] Vgl. etwa Karl Marlo [d.i. Karl Georg Winkelblech], Untersuchungen über die Organisation der Arbeit oder System der Weltökonomie, 2. vollst. Aufl., Bd. 3, Tübingen 1885, insb. 294-295.
[19] G[ustav] v. Schönberg (Hg.), Handbuch der Politischen Oekonomie, 4. Aufl., Bd. 2, Halbbd. 1, Tübingen 1898, 662 (auch für das vorherige Zitat).
[20] Begriff nach Karl Lamprecht, Deutsche Geschichte, Ergänzungsbd. 2: Zur jüngsten deutschen Vergangenheit, Freiburg i.Br. 1903, 497.
[21] G[ottfried] Traub, Ethik und Kapitalismus. Grundzüge einer Sozialethik, 2. verb. u. verm. Aufl., Heilbronn 1909, 138.
[22] Karl Oldenberg, Die Konsumtion, in: Grundriss der Sozialökonomik, Abt. II, Tübingen 1914, 103-164, hier 120.
[23] Vgl. etwa Franz Staudinger, Die Konsumgenossenschaft, Leipzig 1908, v. a. 31-40; Ders., Die geregelte Tauschgemeinschaft als soziales Ziel, Konsumgenossenschaftliche Rundschau 14, 1917, 173-175.
[24] Obstzüchterei Karolinenhof, Der Obstzüchter 1, 1903, 102-104, hier 102.
[25] M. Lindner, Ueber die Auswahl der Obstarten und -sorten bei Obstpflanzungen, Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 28, 193, 120-121, hier 121 (auch für das folgende Zitat).
[26] Vgl. hierzu Uwe Spiekermann, »Der Konsument muß erobert werden!« Agrar- und Handelsmarketing in Deutschland während der 1920er und 1930er Jahre, in: Hartmut Berghoff (Hg.), Marketinggeschichte, Frankfurt/M. und New York 2007, 123-147, hier 126-129.
[27] Beispiele wären Johannes Böttner, Praktische Gemüsegärtnerei, 7. verb. u. verm. Aufl., Frankfurt/O. 1913; F[lorian] Stoffert, Das Obst- und Gemüsegut der Neuzeit, 2. Aufl., Frankfurt/O. 1920.
[28] Der Obstzüchter 1, 1903, 16.
[29] Huber, Etwas über Obstkunde (Pomologie), Wochenblatt des Landwirthschaftlichen Vereins im Großherzogthum Baden 1899, 369-371, hier 370.
[30] Vgl. etwa Theodor Engelbrecht, Deutschlands Apfelsorten, Braunschweig 1889.
[31] Hans Pfeiffer, Einheitliche Maßnahmen zur Hebung des Obstbaues, des Obsthandels und der Obstverwertungs-Industrie, Zeitschrift für Agrarpolitik 7, 1909, Sp. 17-20, hier 17.
[32] Sandmann, 1906, 139.
[33] The Century 69, 1904/05, 833.
[34] Einheitsverpackung in Deutschland, Der Obstzüchter 5, 1907, 146-147, hier 147.
[35] Wauer, 1911, 386. Vgl. demgegenüber die Erfahrungen von Grant, 1905, 5: „In der alten urgroßväterlichen Weise reißt und schüttelt man die Kernobstfrüchte von den Bäumen, verpackt sie wie Kartoffeln in große Körbe und schickt sie auf den lokalen Markt. Ist derselbe überfüllt und lohnt sich nicht der hohen Transportkosten wegen, das solcherweise gesammelte Obst nach Frankfurt a.M. auf die Obstbörse zu senden, so verfaulen nicht selten unsere schönsten heimischen Früchte tonnenweise.“
[36] Verkehrtes Packen, Der Obstzüchter 2, 1904, 125.
[37] Wauer, 1911, 385-386.
[38] Vgl. als Beispiel Die Obstbaugenossenschaft Höbeck, Das Land 4, 1895/96, 53-54 bzw. mit idealistischem Aufbruchston Vorwärts, Genossenschaften! (Obstverwertung.), ebd., 231-232.
[39] J[osef] Löschnig, Blattkrankheiten unserer Obstbäume und ihre Bekämpfung, Der Obstzüchter 1, 1903, 65-71, 81-84, 113-115, hier 69.
[40] Hayunga, 1910, 395.
[41] Vgl. O. Bossert, Wie kann der Landmann seine Lage verbessern?, Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins im Großherzogthum Baden 1896, 494-497. Auch hier waren ausländische Vorbilder maßgebend, vgl. A. Gradenwitz, Californische Ausstellungszüge, Prometheus 22, 1911, 586-588.
[42] Der Handel mit Obst in und nach Stuttgart, Der Obstzüchter 1, 1903,164 (o.) und 165 (u.).
[43] Vgl. hierzu James Troubridge Critchell und Joseph Raymond, A History of the Frozen Meat Trade, London 1912 (Nachdruck 1969); Richard Perren, Taste, Trade and Technology. The Development of the International Meat Industry since 1840, Aldershot 2006; Boris Loheide, Beef around the World – Die Globalisierung des Rindfleischhandels bis 1914, Comparativ 17, 2007, 46-67.
[44] Rich[ard] Stetefeld, Die Kälte-Industrie im Dienste des Obst- und Gartenbaus, Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie 12, 1905, 40-56, hier 54. Zur technischen Entwicklung vgl. auch Karl Sajó, Fortschritte im Obstverkehre, Prometheus 17, 1906, 705-709, 724-727 und [Richard] Stetefeld, Neuerungen in Obstkühlanlagen, Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie 13, 1906, 1-4.
[45] Stetefeld, 1905, 53.
[46] Vgl. Verkaufsstellen für deutsches Frischobst und Obstprodukte, Das Land 4, 1895/96, 265; Städtische Verkaufsstellen für deutsches Frischobst und Obstprodukte, ebd., 331; Hupertz, 1902, 52-55; Rebholz, 1912, 1.
[47] Uwe Spiekermann, Basis der Konsumgesellschaft. Entstehung und Entwicklung des modernen Kleinhandels in Deutschland 1850-1914, München 1999.
[48] Illustrirte Zeitung 113, 1899, 435.
[49] Spiekermann, 1999, 708-709.
[50] Walther Schubring, Entwicklung und heutige Form des Handels mit Obst und Gemüse, Agrarwiss. Diss. Berlin, Düsseldorf 1933, 5-9.
[51] Der Obstzüchter 5, 1907, 175. Vgl. auch Ueber Obstverkaufsautomaten, Gartenflora 56, 1907, 503.
[52] Gleichwohl sind insbesondere die Rationalisierungseffekte der schon in den 1880er Jahren einsetzenden Vertragslieferungen an die Konservenindustrie nicht zu unterschätzen. Vgl. G. Brandau, Gemüsedauerwaren von den Anbauversuchen des Sonderausschusses für Feldgemüsebau, Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 28, 1913, 520-521.
[53] Der Materialist 35, 1914, Nr. 2, 12.
[54] Vgl. etwa Lindner, 1913, 121.
[55] Dies galt insbesondere auf die Produktionsprofile der regionalen Anbieter: „Der Anbau im Großen von reich und regelmäßig tragenden Obstsorten und dieser in Gebieten, wo manche Obstarten besonders gut gedeihen, spezialisiert, wie am Mittelrhein, in den Bodenseegebieten, Württemberg und den Ostseeprovinzen der Apfel, an der badischen und hessischen Bergstraße, Rheingau, Rheinpfalz, die badischen Schwarzwaldtäler, am Kaiserstuhl, einige Gebiete in Thüringen die Kirschen, Pfirsiche, feine Zwetschen, in der Rheinpfalz, im Maingebiet, die Birnen vorherrschend sind, wird es in den Jahren möglich sein, in dem Konkurrenzkampf erfolgreich vorzugehen. Dazu muß aber auch der deutsche Obstzüchter lernen, kaufmännischer zu handeln, das schmackhafte deutsche Obst sorgfältiger zu ernten, sortieren und zu verpacken. Frachtermäßigungen, schneller Bahntransport, gute Wasserstraßen, zweckmäßig eingerichtete Spezialwagen für Obst, werden bessere und schnellere Absatzmöglichkeiten schaffen“ (Georg Thiem, Der Handelsobstbau, Stuttgart 1913, 2).
[56] J. Joachim, Was fehlt zur Zeit unserm Obstbau am meisten?, Das Land 3, 1894/95, 323-324, hier 323.
[57] E[milé] Vandervelde, Der Sozialismus und die kapitalistische Umwandlung der Landwirtschaft, Die Neue Zeit 18,2, 1900,260-266, 292-301, hier 297.
[58] Gleichwohl erfolgte sie, vgl. etwa F. Kunert, Die moderne Glashauskultur der Tafeltrauben, Die Umschau 14, 1910, 64-67.
[59] Zur Diskussion etwa im Bereich des Gartenbaus vgl. [Ernst] Lesser u.a., Wodurch können wir den Obstbauern gesicherte, bessere Absatzverhältnisse schaffen?, Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 17, 1902, 149-151; C. Beckenhaupt, Die Qualitätsfrage und die Landwirtschaft, ebd. 18, 1903, 215-218; Müller-Diemitz, Die Ansprüche des Handels und der Industrie an den obstbauenden Landwirt, ebd. 19, 1904, 54-55; Lorgus, Maßnahmen zur Regelung und Förderung des Absatzes von deutschem Obst und Gemüse, ebd. 28, 1913, 208-212.